Dr. Peter Toebak, 2000-2002
www.toebak.ch
Records Management (RM) ist das Erfassen, Erschliessen, Ablegen, Suchen, Wiederauffinden und Verwalten geschäftsrelevanter Dokumente in ihrem Geschäftszusammenhang. Unterlagen-Records sind geschäftsrelevante Dokumente, sie gehören in einer kontrollierten Umgebung. Gesamtorganisatorisches Vorgehen (horizontale Durchlässigkeit) und Lebenszyklus-Management (vertikale Durchlässigkeit) sind im Bereich RM das Alpha und Omega.
Moderne DM-Systeme sind standardmässig nicht ausreichend mit technischen Möglichkeiten und Funktionalitäten ausgestattet. Sie bieten der Verwaltung oder dem Unternehmen zwar viele interessante Optionen. Einige davon sind besonders wichtig für eine benutzerfreundliche, transparente, wirkungsvolle und überprüfbare digitale Unterstützung der Arbeits- und Entscheidungsprozesse im Betriebsalltag. Für das Security-Management, die Authentizität, die Integrität und das Lebenszyklus-Management der geschäftsrelevanten Dokumente braucht es aber mehr. DMS können manchmal mit einem Add-on dem RM angepasst werden.
Zum RM auf elektronischer Basis haben folgende funktionale Anforderungen eines DM-/RM-Systems Gewicht (Check-Liste). Sie können thematisch verteilt werden, ohne dass in allen Fällen eine vollständige Auftrennung über die unterschiedlichen Teilaspekte erfolgen kann. Die Liste ist nicht vollständig, noch muss sie in allen Fällen voll ausgeschöpft werden. Was technisch nicht unterstützt wird, kann manchmal organisatorisch abgedeckt werden.
Indexieren und Erschliessen der Dokumente
Klassieren und logisches Verwalten der Dokumente
Erstellen und Bearbeiten der Dokumente
Technisches Verwalten der Dokumente
Physische Aufbewahrung der Dokumente
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1.
Erfassen der eingehenden, intern erstellten und ausgehenden
geschäftsrelevanten Dokumente
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Verschiedene Aspekte sind hier zu berücksichtigen: Auflösung der Images (minimal 300 dpi) und Komprimieren der Bild-Dateien, Integration der Systeme, Applikationen und Kommunikationssoftware über Interfaces, Versionskontrolle der Dokumente, Konvertieren der Dateien nach Standardformaten, Virenbekämpfungsmassnahmen.
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Kombinierte Suchmöglichkeiten ergeben das beste Resultat. Nicht nur Einzeldokumente müssen erschlossen werden, vor allem auch vorgangs- oder geschäftsprozessorientierte Dossiers/Akten (zusammenhängende Dokumente) und Serien müssen aufgefunden werden können. Metadaten tragen einerseits einen allgemeinen Charakter (Metadaten-Modelle), müssen aber andererseits auf die Organisation zugeschnitten werden können.
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3.
Klassieren und logisches Verwalten der
geschäftsrelevanten Dokumente (Akzent auf
Evidenzwert, Prozess- und Strukturwissen, Kontext der Dokumente)
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Die Basis-Systematik kann auch für nicht elektronische Dokumente, Dossiers/Akten und Serien angewendet werden (hybride Bestände). Beim Aus- und Einchecken muss der Unterschied zwischen „neuer Version“ und „neuem Dokument“ ersichtlich sein. Einfaches Löschen genügt nicht, weil nach gutem archivischen Gebrauch jegliche Möglichkeit der Wiederherstellung zu kassierender Dokumente ausgeschlossen werden soll.
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4. Erstellen und Bearbeiten der
geschäftsrelevanten Dokumente, Viewen, Annotieren und Editieren
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Integration der Systeme, Applikationen und Kommunikationssoftware über Interfaces, Versionskontrolle der Dokumente, Konvertieren der Dateien nach Standardanwendungsformaten sind unerlässlich. Dossiers/Akten enthalten oft Dokumente, die mit unterschiedlichen Applikationen erstellt sind. Viewer können das „Blättern“ erheblich erleichtern, weil Original-Applikationen nicht geöffnet werden müssen.
5.
Verteilen der geschäftsrelevanten
Dokumente („push-and-pull“-Mechanismen)
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Weil die Adressaten (Kunden, Partner, Mitarbeitenden) nicht alle über die gleichen Lesemöglichkeiten verfügen, müssen viele verschiedene Varianten angeboten werden. Hybride Systeme werden das Bild der Informationslandschaft fürs Erste bestimmen.
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6.
Technisches Verwalten der geschäftsrelevanten Dokumente
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Die Medien-Hierarchie hat vor allem auch eine logische Komponente im Zusammenhang mit der physischen Aufbewahrung der Dokumente und Akten. Die Datenmengen werden sehr rasch anwachsen und müssen auf intelligente, verständliche Weise "verteilt" werden können. Proprietäre Sackgassen müssen auf jeden Fall vermieden werden. Eine Hyperlink-Verwaltung (verknüpfte Dokumente und Annotationen) ist nicht einfach zu realisieren. Backup-Szenario und Ausfallsicherheit (bezüglich der wichtigsten Kern-Daten) sind unentbehrlich.
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7. Physische Aufbewahrung der
geschäftsrelevanten Dokumente
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Ein gezieltes, strukturiertes Vorgehen ist zwangsläufig zu empfehlen, wenn das Papier als Informationsträger ersetzt werden soll. Generell kann gesagt werden: Zur Präsentation und Archivierung sollte ein interoperables Dokument-Format (intelligent: HTML, XML; teilweise intelligent: PDF; nicht intelligent: TIFF) und zur Bearbeitung (in der dynamischen Phase) das Originalformat geführt werden. Für spezifische Bestände heisst dies temporär eine doppelte Datenhaltung. Migration/Emulation/Interpretation nach neuen Trägermedien und (simulierten) Systemen muss möglich bleiben.
Ein Teil der erwähnten funktionalen Anforderungen wird in DMS schon standardmässig angewendet. Ein anderer Teil ist vorläufig noch weniger verbreitet. Für die erfolgreiche Einführung eines DM-/RM-Systems sind aber nicht nur die technischen Möglichkeiten entscheidend. Entscheidend ist vor allem die Entwicklung passender logischer und organisatorischer Instrumente. Ohne diese wird kein DMS/RMS optimal funktionieren, mit diesen wird es fast jedes DMS/RMS tun.