Bestandserhaltung


Bettina Wischhöfer: Fünf Jahre Klimamodell in Archivmagazinen

Der Archivar. Mitteilungsblatt für deutsches Archivwesen, 56 (2003), Heft 2 (Mai), S. 139 - 142

Rezensent Peter Toebak

Die Autorin beschreibt 5 Jahre Praxiserfahrung mit einem kostenbewussten Klimakonzept mit wenig high tech. Ab 1995 wurde ein dreigeschossiger, fensterloser Magazinneubau für das Landeskirchliche Archiv Kassel der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck gebaut (Grundoberfläche: 24,0 m x 19,2 m), der Ende 1997 bezogen werden konnte. Das Gebäude kann 9.000 Laufmeter in Rollregalanlagen und Kartenschränken lagern. Die Brandrisiken sind minimiert, nur über Vorkehrungen gegen Wasser in den Untergeschossen wird nicht explizit gesprochen. Noch einige Kennzahlen: Die Kosten für den Magazinneubau und die Innenausstattung betrugen fast 1,8 Mio €, umgerechnet sind das pro Quadratmeter 1'295 € und pro Regalmeter 199 €.

Das Basisprinzip des "saisonalgleitenden Raumklimas" bezweckt eine Klimastabilisierung bzw. Klimaträgheit mittels dicker Wände mit vielen Hohlräumen zur (künstlichen) Zirkulation, Wärmung und Entfeuchtung der Luft. Im Magazin selber wird ein minimaler Luftwechsel angestrebt. Die Kapitalkosten für alle Klimamassnahmen betrugen etwas mehr als 212'000 €, die Wartungskosten sind jährlich rund 2'000 €.

Die angestrebten Grenzwerte dürfen sich zwischen 15°-20° Celcius und 40%-60% rF bewegen, was nicht ganz mit den Standardwerten der ISO 11 799 übereinstimmt. Weil der Austrocknungsprozess noch nicht abgeschlossen ist, werden die Grenzwerte ausserdem überschritten. Die Tendenz geht, was die relative Feuchtigkeit angeht, auf jeden Fall in die gute Richtung (mittlerer Wert von 50%).

Dieses Kasseler Modell verspricht tiefere Wartungs- und Gebäudebetriebskosten. Es findet Nachfolge bei Archiven vergleichbarer Organisationen und spricht auch wegen der rudimentären Originalität an.