Es ist sympathisch, dass Kollegen sich immer wieder für die Zukunft von Arbido erwärmen. Stützen die Plädoyers aber auf der Annahmne, dass die fachlichen Unterschiede zunehmend geringer werden, wirkt dies wenig überzeugend. Vielleicht stimmt es, dass Bibliotheken und Dokumentationen zusammenwachsen. Sie haben, abgesehen von der Bewahrfunktion, (teilweise) dieselben Fachinteressen, Objekte (Ressourcen) und Herausforderungen. Es ist aber dilettantisch, zu denken, dass auch die Unterschiede mit den Archiven abnehmen bzw. dass z.B. Records Manager und Dokumentalisten ungefähr das Gleiche tun.
Nicht die (mentalen) Unterschiede zwischen Archivaren, Bibliothekaren und Dokumentalisten sind entscheidend, sondern jene zwischen den Records und Archivalien einerseits und dem Bibliotheksgut und Dokumentationsgut andererseits. Diese sind intrinsisch, im vorelektronischen Zeitalter und auch danach. Zwar prägte die technologische Innovation den Archiv-, Registratur-, Bibliotheks- und Dokumentationsbereich seit jeher: die Umstellung von Pergament auf Papier als Datenträger, die Druckpresse, die Schreibmaschine, die Mikroverfilmung, der Kopierer und natürlich der Computer. Der intrinsische Unterschied zwischen den Beständen verschwindet damit aber keineswegs: Archive mit Information betriebsinterner Art, Bibliotheken und Dokumentationen mit Information betriebsexterner Art.
Die fachlichen Unterschiede im ABD- und RM-Bereich sollten nicht unterschätzt oder heruntergespielt werden. Terminologische Unklarheiten dürfen dazu nicht missbraucht werden. Unterschiede und Unklarheiten sollten in einem gemeinsamen Fachblatt sogar thematisiert werden, damit auch das wirklich Gemeinsame Relief erhalten kann. Erst dann werden Verständnis, Zusammenarbeit und Koordination möglich. Nur so wird man den unterschiedlichen Bereichen gerecht und können Synergien im organisatorischen, semantischen und infrastrukturellen Sinne tatkräftig gefunden werden.
Bisher hat dies sich in Arbido nicht verwirklichen können. Mit Arbido, wie es jetzt vorliegt, kann niemand wirklich zufrieden sein. Das Blatt übersteigt bereits jetzt kaum das Niveau eines Newsletters. Artikel, die im Durchschnitt nicht mehr als 1 bis 2 Seiten umfassen - ohne Bezug auf Quellen und Fachdiskussionen zu nehmen und nur von der Aktualität heraus entstanden - vermögen, auch in den zahlreichen sogenannten Themanummern aus Anlass von Tagungen und Jahresversammlungen, halt nicht zu überzeugen.
Berichterstattung kann eine wichtige Funktion sein, aber ich wünsche mir ein interdisziplinäres Fachblatt oder allenfalls nur ein disziplinäres Fachorgan, worin der Stand der Informationswissenschaft - sei es der Archivistik, sei es der Bibliotheks- und der Dokumentationslehre - weiterkommt und sich entwickeln kann. Kann Arbido dies nicht (mehr) bieten, müssen vielleicht neue Wege eingeschlagen werden. Altes kann sich bewähren, es kann auch bremsend wirken und hinauszögern, dass neue "Risiken" eingegangen werden.