Im Artikel werden die Erarbeitung und der Inhalt eines Bibliotheks-Leitbilds dargestellt. Es handelt sich dabei um die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek der Georg-August-Universität in Göttingen. Das Leitbild enthält die gemeinsamen Ziele der Belegschaft und die Planung deren künftigen Realisierung. Fünf Bereiche wurden zum Ausgangspunkt genommen: Informationsfluss, Führung und Verfahrensregeln, Verhalten und Einstellungen, Visionen und Stärken, interne Qualifizierung.
Externe Berater unterstützten den MitarbeiterInnen bei der Formulierung des Texts. Der Ablauf war vor allem aber durch basisdemokratische Grundsätze gekennzeichnet. Eine "produktive Dynamik" entstand während des Prozesses, mit einem gesunden Spannungsfeld "zwischen den konkreten Problemen und Schwierigkeiten des Alltags und den Zielen für die Zukunft" (593).
Wichtige Schwerpunktthemen galten die grössere Benutzer- bzw. Marktorientierung und die Personalentwicklung. Aus dem Inhalt werden Selbstbewusstsein der Mitarbeitenden bezüglich der bibliothekarischen Aufgaben und Gleichgewicht zwischen "Alt" (historische Bestände) und "Neu" (elektronische, multimediale Bestände; Vernetzung) ersichtlich.
Eine Clearingstelle wird sich als Beratungsinstanz mit den Fragen der Leitbildumsetzung befassen. Sie soll von der Belegschaft gewählt werden und muss über die Effektivität und Effizienz ihrer Arbeit Rechenschaft ablegen. Das Leitbild kann auch als "stabiles Fundament" (594) künftiger Ziel- und Leistungsvereinbarungen mit der universitären Trägerschaft dienen.
Da Archivinstitutionen zum Teil gleiche Aufgaben erfüllen als wissenschaftliche Bibliotheken mit Bewahrfunktion und ebenfalls eine Publikumsfunktion haben, kann der Artikel auch für Archivleitungen und -mitarbeiter im Rahmen ihrer Organisationsentwicklung inspirierend sein.