Ordnen und Erschliessen


Niklaus Stettler: Archivische Erschliessung im integrierten Studium der Informationswissenschaft an der HTW Chur

Arbido, (2006), Heft 3 (September), S. 63 - 65

Rezensent Peter Toebak

Der Autor spricht die Akzeptanz- und Verständnis-Probleme an, die Studenten mit bibliothekarischem Hintergrund an seiner Fachhochschule, aber auch Mitarbeitende in Verwaltungen manchmal mit Registraturplänen, Aktenplänen oder Klassifikationen haben. Diese sind tatsächlich vorhanden. Ich führe sie auf den oftmals "schwierigen" Unterschied zwischen Informationswert und Evidenz- oder Kontextwert zurück und auf den damit verbundenen Unterschied zwischen Searching ("bottom-up") und Browsing ("top-down").

Es ist klar, dass der Kontextwert (Prozess- und Strukturwissen) im Ansatz weniger zugänglich ist als der Informationswert (Ergebnis- und Inhaltswissen): "Strukturwissen (...) ist kein Alltagswissen" (64). Natürlich nimmt das Prozess- und Strukturwissen in Organisationen inzwischen wohl eher  zu, z.B. unter Einfluss des Qualitätsmanagement und der Business Prozess Optimierung. Auch beneiden uns die Bibliothekare und die Dokumentalisten in zweiter Instanz zunehmendermassen, weil für sie das Suchen nach Konzepten (Begriffe mit Bedeutungen und Relationen) anstatt nach reinen Begriffen (Terme) sowie die strukturierte, mehrdimensionale Präsentation der vielen Suchergebnisse wichtig geworden ist.

Stettler sieht eine Lösung in der Einpassung der Klassifikation in eine breitere Ontologie, wo mehr Sichten (z.B. Suchen, Verwalten, Zugriffssteuerung) abgebildet werden können. Er hat recht, konkret habe ich die Erfahrung, dass dies funktioniert, solange die Basisanforderungen des Dokumenten und Records Management aufrecht bleiben. Die Technik bietet heute viele Darstellungsmöglichkeiten an der Oberfläche, während die Master-Dossiers im Hintergrund kontrolliert bleiben. Nur in einem Punkt muss  ich widersprechen: Dossiers entsprechen keinem (reinen) "induktiven Ansatz" (65). Dossiers brauchen sowohl eine äusserliche wie auch eine innerliche Struktur, die vom generierenden Prozess (mit eigenem Prozesstyp) und der jeweiligen Records-Serie (mit festem Dossiertyp) abhängig (zu machen) sind. Anders gesagt: Dossierstrukturen machen vermehrt einen integrierenden Bestandteil der Klassifikation oder eben der Ontologie  aus.