Der Autor verbindet die Herausforderungen eines modernen Archivs, nämlich Kundenorientierung, Informationsmanagement, Digitalisierung und E-Archivierung, Managementmethoden, mit jenen des New Public Management. Stichworte des NPM sind: Input (Ressourcen), Output (Produkte, Dienstleistungen) und Outcome (Wirkung), Planung und Steuerung, Flexibilisierung, Kundennutzen, Ausgliederung (mit archivischen und archivorganisatorischen Folgen), Kontraktmanagement, Eigenverantwortung, Vollkostenrechnung und Leistungskatalog.
Er behandelt die Ansprüche der Stakeholders, v.a. der Kunden und der Politik und Verwaltung. Das Spannungsfeld zwischen der erfolgten Senkung der Sperrfrist von 50 Jahren auf 30 Jahre (Kundenfreundlichkeit) und dem andauernden Bearbeitungsrückstand der abgelieferten Bestände (Kundenunfreundlichkeit) ist in diesem Zusammenhang zu lösen, wie auch die Problematik eines unvollkommenen Records Management (ineffiziente Politik und Verwaltung, letztendlich auch wieder Kundenunfreundlichkeit).
Ob der vorgeschlagene Unterschied zwischen "Kernaufgaben" (Bewerten, Erschliessen, Aufbewahren und Vermittlung von Archivalien und Dokumentationsmaterial, Mitgestalten des RMS), "Erwarteten Leistungen" (Auskunftserteilung, eigenständige Forschungen und Publikationen), "Zusatzleistungen" (z.B. Dienstleistungen für Verwaltung und politischen Vorstand) und "Symbolischen Leistungen" (Imagepflege des Archivträgers, Rolle eines Historie-Zentrums) richtig ist, muss diskutiert werden. Auf jeden Fall hat die Politik diesbezüglich innerhalb der gesetzlichen Vorgaben und "best practices" das letzte Wort.
Für Archivare ist es wichtig, gerade im Bereich der externen Aufgabenerledigung Leistungs- und Kennzahlen zu entwickeln und zu "vermarkten", wobei auch das archivinterne Ressourcenmanagement (Betriebsführung, Personalentwicklung, Monitoring und Controlling) vermehrtes Gewicht erhält. Was die Wirkung (Outcome) angeht, wäre es m.E. sinnvoll, kurzfristige, mittelfristige und langfristige Ziele und Ergebnisse zu formulieren und absegnen zu lassen. Gilt dies grundsätzlich für alle Verwaltungsstellen, ist es für Archive noch stärker zu empfehlen. Die "Konkurrenz" im schnelllebigen, manchmal oberflächlichen Verwaltungsumfeld ist ohnehin schon sehr gross.
Der Artikel beruht auf Praxiserfahrung und einer ausführlichen Literaturstudie. Er kann sicher für Archivleiter und Archivleiterinnen inspirierend sein.