Der Autor behandelt in einigen Seiten, was es für eine Organisation braucht, als "trusted repository" und "trusted portal" auftreten zu können. Er gibt eine klare Synopsis in Bezug auf das Vorgehen bei einer Universitätsbibliothek. Voraussetzungen für die digitale Langzeitaufbewahrung, wobei die Informationsobjekte "kundenfreundlich", "sicher", "leicht findbar" und "qualitätsorientiert" vorhanden sind, beinhalten:
Aufbewahrung ist ein Aspekt, Vermittlung ist die zweite Seite der Medaille. Suchmaschinen, Kataloge, Webverzeichnisse, Portale sind in dieser Hinsicht wichtig. Es ist vom Interesse, dass die Suchmaschinen über die Metadaten-Schemen (z.B. DCMES) und standardisierte Schnittstellen oder Austauschprotokolle (OAI, Z39.50, MAB XML usw.) die Informationsobjekte schnell finden und verarbeiten ("Qualitätsbeurteilung, (...) fachliche Zuordnung und (...) Aufbau von Indizes", 42). Zunehmend werden in Portallösungen alle relevanten (internen und auch externen) Informationsobjekte eingebunden, Online-Kataloge, Volltextdokumente auf dem Archiv-Server, Artikel aus E-Journals und Datenbankeinträge.
Zwar kann die technische Verantwortung für den Archiv-Server von einem Rechen- und Medienzentrum wahrgenommen werden. Mindestens die Datenherrschaft hat dennoch "sehr enge Verbindungen zu bibliothekarischen Grundaufgaben und Arbeitsfeldern" (42). Zur qualitativen Selektion sind die Auswahlkriterien vorzugsweise formal (z.B. alle Dissertationen, Habilitationen), bestimmte Kategorien werden aber auch inhaltlich sein können (z.B. nur gut benotete oder empfohlene Diplomarbeiten). E-Publikationen haben einige Vorteile: Sie werden "viel früher, viel häufiger und viel internationaler wahrgenommen" (42). Auch sieht es so aus, dass "digitale Parallelveröffentlichungen sogar verkaufsfördernd für die Printversion wirken" (42). Die Tendenz, dass der Akzent sich von der Papierflut in Richtung der digitalen Volltexte ("parallel, ergänzend zu oder an Stelle von gedruckten Publikationen", 41) verlegt, wird sicher weiter gehen.
Für Archivare und Records Manager ist der Inhalt des Artikels ebenfalls interessant, auch weil mehrere Links auf relevante Publikationen und Projektergebnisse in Deutschland aufgenommen sind. Der Unterschied zwischen Bibliothek und Archiv zeigt sich nicht physisch-technisch - Informationsobjekte sind Informationsobjekte -, er zeigt sich logisch. Bibliotheken können sich auf Publikationen, vermehrt auch auf Aufsätze, Preprints, E-Books usw., beschränken. Sie halten die Endergebnisse von Erstellungs- und Kommunikationsprozessen fest. Archive tun dasselbe, sie müssen aber gleichzeitg auch die Entstehungs- und Handlungsprozesse dokumentieren.