Synergien und Lageanalyse


Hansjoachim Samulowitz und Marlies Ockenfeld: Bibliothek und Dokumentation. Eine unendliche Geschichte

Nachrichten für Dokumentation (NfD). Zeitschrift für Informationswissenschaft und -praxis, 54 (2003), Nr. 8 (Dezember), S. 453 - 462

Rezensent Peter Toebak

Die Autoren stellen an Hand einer historischen Übersicht dar, wie das Bibliotheks- und das Dokumentationswesen in Deutschland (aber z.B. auch in der USA) auseinander gedriftet sind, oder noch besser: einander nie wirklich gefunden oder richtig verstanden haben. Sie scheuen, v.a. im Anfang des Artikels, nicht vor polemischen Bemerkungen zurück und stellen schliesslich lakonisch fest, dass "die Trennung längst nicht mehr zeitgemäss und im Grunde bereits überwunden ist" (453). Doch zeigen auch sie in ihrem Beitrag nicht wo, statt der Unterschiede, die Gemeinsamkeiten gesucht werden könnten. Der Artikel basiert auf einer ausführlichen Literaturstudie. Archivmaterial der Bibliotheks- und Dokumentationsbewegung wurde nicht berücksichtigt, was das z.T. lückenhafte Bild zu erklären vermag.

Mehrere Aussagen sind interessant:

Dieser Entwicklungsgang zeigt viele Analogien mit jenem der Zwei-Einheit Registratur (Records Management) und Archivwesen auf. Records Management hat auch sehr lange gebraucht, sich zu emanzipieren. Ein Unterschied ist ebenfalls ersichtlich: Während BibliothekarInnen und DokumentarInnen sich "thematisch", horizontal in gleichem Bereich treffen, tun Records Manager und Archivare dies nicht. Sie operieren vertikal im Lebenszyklus-Prozess / Kontinuum der betriebsinternen Informationen strukturierter und v.a. unstrukturierter Art. Abstimmung, Kooperation und Synergie sind dann eher absehbar.