Bibliotheken und Archive haben ihre eigenen Regeln der Katalogisierung bzw. Verzeichnung. Doch bestehen bereits längere Zeit auch Gedanken, wenigstens die online Recherche zu kombinieren. Die Autorin geht die Frage nach, "ob die Inhalte der verschiedenen Datenfelder (Kategorien) der bibliographischen Beschreibung bzw. archivischen Verzeichnung ähnlich genug sind, um zusammengefasst werden zu können" (172). Die bibliothekarischen Beschreibungsstandards (z.B. die Regeln für die Alphabetische Katalogisierung, RAK) haben eine längere Tradition und sind verbindlicher als die archivischen, v.a. auch weil Zusammenarbeit und Koordination in einem Umfeld von Unikaten (Archivalien) weniger gediehen.
Die Autorin hat das Schema für Monographien in drei bibliographischen Standards (ISBD(G) 1992, RAK-WB 2002 und AACR2 2002) dem Schema für (Sach-)Akten in archivischen Handbüchern und ISAD(G) 1994/2002 gegenübergestellt. Es erstaunt nicht, dass der "grösstmögliche gemeinsame Nenner" der formalen Erschliessung bei den Titelangaben, Enthält- und Darin-Vermerken mit spezifizierenden Elementen zu finden ist. Richter weist zurecht auf das Gewicht des Kontextwerts der Akteneinheiten. Weniger nachvollziehbar ist der Vergleich einer archivischen Provenienz mit der bibliographischen Verfasser-/Beteiligtenangabe. Hier geht es doch um ganz unterschiedliche Ebenen und Facetten. Der Vergleich der Zeitangaben macht wahrscheinlich wieder mehr Sinn, während die Angabe des physischen oder materiellen Status bzw. des Umfangs in beiden Fällen unter Umständen ebenfalls aussagekräftig sein kann.
Die Schlussfolgerung, dass ausreichend "crosswalks" vorhanden sind (wenn das Auge auf den Informationswert eingestellt wird) und dass es v.a. im Archivwesen (noch) mehr Standardisierung braucht, ist in Ordnung. Wir können zusätzlich davon ausgehen, dass mittels gemeinsamer Schlagwortsysteme, Kontrolllisten, Thesauri oder Ontologien noch mehr erreicht werden kann. Insbesondere diese Regelwerke und Zugänge werden im "Semantic Web", wo sowohl Bibliotheken als Archive wichtige Quellen beisteuern können, eine grosse Rolle spielen.