Mikroverfilmung und elektronische Archivierung


Ulf Rathje: Technisches Konzept für die Datenarchivierung im Bundesarchiv

Der Archivar. Mitteilungsblatt für deutsches Archivwesen, 55 (2002), Heft 2 (Mai), S. 117 - 120

Rezensent Peter Toebak

Der Artikel bespricht das technische Konzept des deutschen Bundesarchivs für die Langzeitarchivierung archivwürdiger Daten. Es wird ersichtlich, dass im Laufe der Zeit unterschiedliche Datenträgertypen verwendet wurden. So war 9-Spur-Magnetband in der "Grossrechnerwelt" (Hosts) das Standard-Speichermedium, während mit der Verbreitung der PCs am Ende der 1980er Jahre Disketten Einzug hielten.

Weder die "Original"-Datenträger, noch das Original-Datenformat oder der Original-Bitstrom werden jedoch konserviert. Es geht darum, den "authentischen Informationsgehalt" der Daten (119) sicherzustellen. Protokollierung und Dokumentation der Kopiervorgänge und Konversionen spielen somit eine wichtige Rolle. Formate für die Langzeitarchivierung sind EBCDIC-Flat Files (ohne Struktur, nur sequentielle Zeichenketten), ASCII-Flat Files (mit "comma separated values", CSV) und heutzutage zunehmend XML.

Das Bundesarchiv verwendet für die sichere physische Abspeicherung nur "Datenträger (...), für die internationale Standards gelten, die am Markt eine ausgesprochen weite Verbreitung haben, als haltbar gelten und daher auch in anderen Nationalarchiven und Forschungseinrichtungen eingesetzt werden" (119). Derzeit kommen deswegen nur Magnetbänder, Magnetbandkassetten, Digital Audio Tapes (DAT) und CD-R, später vermutlich auch DVD-R, in Frage. Die Vor- und Nachteile dieser unterschiedlichen Archivierungsmedien werden behandelt. Die viel zu "kleinen" Disketten sind auf jeden Fall untauglich, u.a. auch weil sie schon nach ein paar Jahren Lesefehler aufweisen können.

Die doppelte Sicherung der Daten auf unterschiedlichen Datenträgern (magnetisch, optisch), eine sachgerechte, physisch getrennte Lagerung (17-20°C, 35-45% rLf) und ein regelmässiges Umkopieren und Migrieren der Daten schliessen das technische Konzept des Bundesarchivs überzeugend ab. Obwohl der Autor im Anfang seines Artikels bemerkt, dass "Datenverluste" oft "nicht etwa auf technische, sondern auf organisatorische Defizite zurückzuführen" (117) sind, gibt ein taugliches technisches Konzept doch das gewünschte Basisvertrauen.