Synergien und Lageanalyse


Josef Herget: Informationsmanagement, ein schillerndes und vieldeutiges Konzept. Entstehung und Relevanz

Arbido, 20 (2005), Heft 3 (März), S. 5 - 6

Rezensent Peter Toebak

Der Autor behandelt aus der Sicht eines IuD-Spezialisten den Begriff "Informationsmanagement" und seinen Werdegang seit etwa 1980. Unterschiedliche Disziplinen haben sich ohne viel Erläuterung dieses Begriffs bedient, womit insbesondere die interdisziplinäre Diskussion natürlich nicht gefördert wurde. Verständnis entsteht erst durch klare Abgrenzungen und bei einer klaren Fachterminologie. Thematisieren der Unterschiede ist m.E. notwendig, damit auch die Gemeinsamkeiten und Synergien zum Vorschein kommen können.

Herget betont, dass die Bedeutung des Begriffs Informationsmanagement immer noch "diffus und mehrdeutig" ist und die Perspektiven "unterschiedlich" sind (5). Sicher hat dies mit der Tendenz zu tun, sich (in der Schweiz, aber auch sonst) nicht methodisch und wissenschaftlich mit dem Konzept zu befassen. Die gleiche Haltung zeigt sich in immer wieder gemachten blossen Behauptungen, dass die Unterschiede im ABD-Bereich unerheblich (geworden) sind. Z.B.: "Pour moi, la différence n'est pas grande (...). Nous faisons tous partie du monde du traitement de l'information et je regrette vivement ces clivages inutiles" (Jean-Frédéric Jauslin, Direktor Bundesamt für Kultur, vormalig Direktor SLB, Seite 26 desselben Hefts)*. Die grundsätzlichen Unterschiede im A-Bereich und im BD-Bereich sind dennoch inhärent, im E-Zeitalter wie auch davor, ohne dass dies aber zu Animosität führen muss.

Herget sieht vier Segmente von Informationsmanagement:

Selbstverständlich sind immer auch andere Einteilungen und Sichtweisen möglich. Datenmanagement gehört zum Beispiel zum Records Management, wo es die zu modellierenden und verwaltenden Daten-Records betrifft. Die strukturierten Daten-Objekte sind überdies genauso Informationen betriebsinterner oder betriebsexterner Art. Der Begriff "Inhalt" ist, im Bereich Records Management und Archivierung, problematisch, gerade weil die Verknüpfung Record - Transaktion hier ausschlaggebend ist. Der Begriff "Fachinformation" reicht für Archive und Records nicht aus, denn sie beinhalten neben Inhaltswissen vor allem auch Prozess- und Strukturwissen.

Der Autor gliedert das Wissensmanagement zum Informationsmanagement (im engen Sinne), weil er die Dreiteilung Daten - Information - Wissen nicht zum Ausgangspunkt nimmt. Aus der Sicht des Records Management ist die Patentdokumentation nur eine Untergattung, entweder Dokumentation (Information betriebsexterner Art) oder Unterlagen-Records (Information betriebsinterner Art). Die Segmentierung bringt, so besehen, nicht nur Klarheit, ermöglicht aber wohl eine Diskussionsbasis zwischen den Disziplinen. Für mich bleibt dabei übrigens die Frage noch offen, ob Records Management nicht eher zur Betriebswirtschaft oder sogar zur Wirtschaftsinformatik gehört als zum Informationsmanagement (im engen Sinne). Die Zweieinheit Prozess - Record ist nämlich allbestimmend.

* Andere Beispiele: Arbido, 19 (2004), Heft 7-8, Seite 9 (Josef Wandeler): "zunehmend künstliche Trennung" in den drei Bereichen Archiv, Bibliothek und Dokumentation; Arbido, 20 (2005), Heft 1-2, Seite 13 (Stephan Holländer und Bärbel Förster): zwar "historische Verankerung im deutschen Beamtenrecht", aber in "der praktischen Arbeit (...) überholt"; Arbido, 20 (2005), Heft 4, Seite 24 (Josef Herget): "Eine Integration der (drei) Berufsfelder hat schon vor langem angefangen und sie setzt sich angetrieben durch die immer weiter voranschreitende Digitalisierung und Vernetzung unvermindert fort. (...) Gemeinsamkeiten überwiegen und Abgrenzungen (wirken) eher künstlich und willkürlich".