Die HTW Chur hat ein Tool entwickelt, womit Bibliotheken unterschiedlicher Gattungen (wie Öffentliche Bibliotheken, Wissenschaftliche Bibliotheken, Schulbibliotheken, später sogar auch One-Person-Libraries) an ihrer "Excellenz" gemessen werden können. Zwar bleibt dieser Begriff im Artikel etwas schweben. Er hat aber zweifellos mit dem Anstreben zu tun, den Betrieb ganzheitlich zu führen. Kundenorientierung, Medienvielfalt (bei Bibliotheken), Mitarbeiterförderung, Kommunikation nach Innen und Aussen, Qualitätsmanagement, Ressourceneinsatz, usw. sollen nicht isoliert betrachtet, sondern bewusst auf einander bezogen werden.
Das Vorgehen setzt auf dem EFQM-Modell (European Foundation for Quality Management), wobei Politik und Strategie, Mitarbeiterschaft, Ressourcen, Kunden, Partnerschaften und weiteres Umfeld (Öffentlichkeit, Umwelt) alle eine Rolle spielen. Harte und weiche Faktoren kommen so zum Zug. Es geht darum, diese mittels Führungsprozesse effektiv und effizient in den Routinearbeitsprozessen einzusetzen, damit gute Ergebnisse (letztendlich Produkte und Leistungen) möglich werden.
Es wird aufgezeigt, dass das generische EFQM-Modell vor Ort, d.h. in dem Bibliotheksbetrieb, spezifiziert werden kann. Erst dann wird das Modell konkret und für den Betrieb anwendbar. Vergleiche in der Zeit (zyklische Wiederholungen) und im Raum (Benchmarking) machen die systematische, objektivierte Messung (Evaluation, Audit) sehr interessant. Stärken und Schwächen werden nicht nur einmalig aufgedeckt (Momentaufnahmen, Daten- und Faktenbasis) und thematisierbar, Entwicklungen (Trends) und Ankerpunkte (Perspektivenwechsel) werden ebenfalls ersichtlich.
Natürlich steht im Vordergrund, nach der Messung (Bestandsaufnahme, Ist-Analyse) Verbesserungspotenziale aufzuzeigen (Priorisierung, Soll-Analyse) und diese danach konsequent umzusetzen (Implementierung). Die Churer Methodik zur Durchführung der Messung bietet in diesem Zusammenhang einen guten Ansatz. Einbindung des Management, Teambildung und Schulung, Akzeptanzbildung durch Selbstbewertung, Objektivierung durch Fremdbewertung, periodisches Überprüfen der Massnahmen, kontinuierliches Wiederholen der Evaluation sind alle vorgesehen.
Das Tool ist logischerweise nicht auf Archive und Records Management Bereiche zugeschnitten. Doch könnten Elemente methodisch auch in diese Richtung nützlich sein.