Vermittlung und Benutzung


Philipp Gahn, Harald Schmid und Roland Wagner-Döbler: Die Retrokonversion an der Bibliothek der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Salesianer Don Boscos in Benediktbeuern

Bibliotheksdienst. Organ der Bundesvereinigung deutscher Bibliotheksverbände (BDB), 36 (2002), Heft 11 (November), S. 1547 - 1555

Rezensent Peter Toebak

Der Zettelkatalog der PTH-Bibliothek umfasst beinahe 325.000 Katalogkarten (1931-1997), mehr als 50% von geringerer Qualität. Die Autoren weisen auf zwei gängige Methoden zur Retrokonversion: Scannen mit OCR-Verfahren und manuelles Eintippen. "Beide Möglichkeiten sind bei akzeptablen Qualitätsstandards mit einem hohen Aufwand und also auch mit den entsprechenden Kosten, die nicht weit auseinanderliegen, verbunden" (1549). Im Projekt wurde eine Kombination gewählt. Für die Karten der qualitativ schlechtesten Periode (1931-1982) wurde ein Imagekatalog mit Blätterfunktion in Fünfzigerschritten erstellt. Die Karteikarten der qualitativ besten Periode 1983-1996 (fast 97.500 Karten) wurden gescannt, aber nicht vollständig abgeschrieben. Man beschränkte sich auf die manuelle Eingabe bestimmter Elemente eines "Suchschlüssels".

Der Suchschlüssel betraf die ersten 5 Buchstaben des Autorennamens, die ersten 2 bzw. 3 Wörter eines Sachtitels, das Erscheinungsjahr, die Ziffer einer Auflage, die Seitenzahl und die ISBN. Diese aus dem angloamerikanischen Raum stammende Methode bedeutet weniger manuellen Eingabeaufwand, identifiziert die Bibliotheksobjekte trotzdem derartig, "dass falsche Zuordnungen weit unterhalb des Promillebereichs liegen würden" (1551). Nach der Erfassung konnte mittels eines Bibliotheks-EDV-Programms etwa zwei Drittel der Titel in einer bereits im Internet verfügbaren Datenbank eines Bibliotheksverbunds nachgewiesen und automatisch oder nach Bearbeitung in das eigene System übernommen werden.

Bei rechtlicher Absicherung haben Bibliotheken hier eine attraktive Möglichkeit, die Digitalisierung ihrer bestehenden "legacy systems" zu rationalisieren und von irgendwo sonst bereits geleisteter Vorarbeit zu profitieren. Für Archivbibliotheken könnte diese Methode gegebenenfalls auch attraktiv sein, für die Archivbestände, die grundsätzlich aus Unikaten bestehen, jedoch leider nicht. Bezüglich der Kosten: Im Durchschnitt 0,25 Euro pro Datensatz mit Suchschlüssel und 0,035 Euro pro gescannte Katalogkarte.