Recht


Andreas R. Brellochs und Urs Naegeli (Hrg.): Elektronisches Publizieren. Informationsspezialisten als Mittler zwischen zwei Welten

Arbido, (2006), Heft 4 (Dezember), S. 1 - 72

Rezensent Peter Toebak

Die thematischen Schwerpunkte der Arbido-Nummer 4, 2006, sind Open-Access-Literatur und vor allem Digital Rights Management. In Bezug auf das DRM wird betont, dass nicht nur die Verlage und die Verwertungsgesellschaften über Rechte an digitalen Werke verfügen, sondern auch die Nutzer. Diese brauchen Zugang zu E-Publikationen in Bibliotheken und sollten nach dem rechtmässigen Kauf eine Privatkopie machen dürfen. Gerade die Benutzerseite des DRM kommt zunehmend zu kurz, was auch damit zu tun hat, dass die nationalen Gesetzgebungen im globalen Umfeld disparat wirken und die supranationalen Rahmenvorschriften oftmals zu abstrakt bleiben bzw. zu kommerzfreundlich sind. Stephan Holländer fährt insbesondere diese Schiene in drei gut lesbaren Beiträgen (31-40, 55-60 und 71-72).

Andere interessante Beiträge (Haike Meinhardt, 41-49, und Stephan Büttner, 50-54) sehen das DRM ebenfalls als eine zunehmende Realität. Zugangs- und Nutzungsrechte müssen gekauft und bezahlt werden. Die Kernbegriffe sind Restriktion und Kontrolle. Kopieren und Weiterleiten von Publikationen werden unmöglich bzw. tracierbar. Sie sehen dennoch auch positive Entwicklungen. Bibliotheken können z.B. von DRM profitieren, "attraktive Ausweitung ihres mediales Angebotes (...), sowohl im Bereich E-Books als auch anderer Medien wie Hörbücher, Musik, Spiele oder Software" (48). Sogar sind Synergien nicht undenkbar. "So haben Studien immer wieder gezeigt, dass Bibliotheken Multiplikatoren sind und Bibliotheksnutzer überdurchschnittlich oft Medien käuflich erwerben" (49).

Bei DRM geht es speziell darum, "assets" (Content, Publikationen), "rights" (Rechte, Pflichten, Einschränkungen und Konditionen), "parties" (Urheber, Rechteinhaber, Vertreter, Endnutzer), "offers" (Angebote) und "agreements" (Verträge) zusammen zu bringen (42). So besehen bestehen viele Analogien mit dem Records Management. Zugangs- und Nutzungskontrolle, Schutz der Authentizität und Integrität der Informationsobjekte, Objektidentifikation durch Metadaten, Tracking (nach illegalen Kopien bzw. nach falsch oder nicht in Dossiers abgelegten Records), Verwaltung von Zugriffsrechten, Nutzern und Informationen über die Nutzung, zunehmende Vernetzung (Integration von Systemen) und sichere Hard- und Software (Trusted Computing) spielen auch beim Records Management in einer oder anderer Form eine (immer wichtiger werdende) Rolle (für die DRM-Seite, siehe hauptsächlich 42, 51).

Natürlich geht DRM einen Schritt weiter, wo es die Absicherung mit Zahlungsmodalitäten betrifft. Das DRM beschränkt sich andererseits auf "item-level" (z.B. Verschlüsselung der Informationsobjekte, digitale Signatur, Wasserzeichen), während das Records Management die Kontrolle v.a. auch "above item-level" sucht. Es ist meines Erachtens zu erwarten, dass Methoden und Techniken des DRM zur Absicherung und Kontrolle der Verwertungsrechte auch beim revisionssicheren Auditing der Quantität und Qualität der Records-Ablagen in den Betrieben und Verwaltungen Eingang finden werden. Das Gleiche ist bereits innerhalb der Records Management-Software möglich, z.B. um nachzusehen, ob Dokumente "unfiled" bleiben bzw. nicht rechtzeitig als Record eingefroren werden.

In der Themanummer taucht immer wieder der Begriff Reintermediation auf. Bei E-Publikationen geht es um die stärker werdende Rolle der kommerziellen Intermediäre bzw. Aggregatoren (nämlich Medienunternehmen, Agenturen, Content-Provider und Anbieter von Internetplattformen), die Inhalte konzentriert anbieten und dabei auch auf Beschreibungsstandards, dauerhafte Adressierung und Formatstandards achten. Die Herausgeber der Themanummer haben recht, dass die elektronische Verfügbarkeit der Informationsobjekte dazu geführt hat, "dass die (pro)aktive Informationsvermittlung einfacher und schneller geworden ist" und "dass im Zuge der damit einhergehenden Disintermediation der Beratungs- und Schulungsaufwand" für die Arbeit der Informationsfachleute "gestiegen ist" (5). Zwar spricht der Untertitel der Themanummer diesen Aspekt explizit an, doch wird hierüber kaum gesprochen.