Records Management und Datenmanagement


Andreas R. Brellochs und Timo Rosenkranz: Corporate Blogging - Hype mit Chancen und Risiken. Untersuchung zu Best Practices des Blogging bei Unternehmen

Nachrichten für Dokumentation (NfD). Zeitschrift für Informationswissenschaft und -praxis, 57 (2006), Nr. 3 (April), S. 163 - 168

Rezensent Peter Toebak

Werden Web Logs bzw. Blogs für die Unternehmenskommunikation benützt, erhalten diese möglicherweise den Status von Unterlagen-Records und müssen als Teil des Records Management betrachtet werden. Der Status von Blogs kann verglichen werden mit demjenigen von ListServs, woran Mitarbeiter einer Firma oder Verwaltung von Amts wegen beteiligt sind. In dieselbe Kategorie fallen auch andere Kommunikationsformen wie Unternehmenswebsites, E-Mail-Verkehr und Instant Messaging. "Sicher handelt es sich nicht um ein neues Zaubermittel der Unternehmungskommunikation, aber um ein Medium, das wohl in Zukunft seinen selbstverständlichen Platz im Kommunikationsmix von Unternehmen einnehmen wird" (168). Web Logs sind Web-Tagebücher oder Web-Logbücher. Das einzige Kriterium ist, ob die verschickten und empfangenen Nachrichten geschäftsrelevant sind oder nicht. Unerheblich ist dabei, ob die Blogs "persönlich" bzw. "informell" aussehen.

Die Autoren befassen sich nicht mit Blogs als (möglichen) Records. Es ist auch illusorisch, zu meinen, dass Corporate Blogging, intern über das Intranet oder extern über das Internet bzw. Extranet, die Problematik des E-Mail-Verkehrs lösen oder mildern wird. Doch sind ihre Ausführungen auch für Records Manager und Archivare interessant:

Corporate Weblogs sind ein Medium für Unternehmungen, Verwaltungen und andere Organisationen, sich auf "alternativer" Weise zu präsentieren. Networking wird möglich, Kundenbindung usw. Blogging ist billig, kann aber auch risikobehaftet sein. Es öffnet die Möglichkeit einer Feedback-Kultur und gibt Raum an Fremdbeiträge. Dies ist sympathisch, birgt andererseits Risiken in sich, die genauso kontrolliert werden müssen (Blog Monitoring) als die Äusserungen der eigenen Mitarbeiter und Manager (Blogging Policy, Richtlinien, Verhaltensvereinbarungen).

Die im Artikel behandelten Compliance-Aspekte haben mit der Erkennbarkeit und Sorgfalt des Web Logs zu tun, damit aber auch mit der formalen und materiellen Verantwortung der "bloggenden" Provenienz. Unterschiede mit Websites sind diesbezüglich kaum oder nicht ersichtlich, z.B. was die mögliche strafrechtliche, urheberrechtliche oder wettbewerbsrechtliche Relevanz von Links, Darstellungen und Fremdkommentaren angeht. Die (mögliche) Haftung für Forenbeiträge Dritter in einer spezifischen Rubrik der Unternehmenswebsite ist ein bereits bekanntes Phänomen. Die Compliance-Aspekte im direkten Zusammenhang mit dem Records Management bleiben im Artikel ausser Bild. Diese weichen aber, wie schon gesagt, ebenfalls nicht von den üblichen ab. Siehe z.B. die Notwendigkeit auch von E-Mail-Policies.