Ordnen und Erschliessen


Heiko Beier: Vom Wort zum Wissen. Semantische Netze als Mittel gegen die Informationsflut

Nachrichten für Dokumentation (NfD). Zeitschrift für Informationswissenschaft und -praxis, 55 (2004), Nr. 3 (April/Mai), S. 133 - 138

Rezensent Peter Toebak

Ein Thesaurus ist "eine geordnete Zusammenstellung von Begriffen (...), die in einem Dokumentationsgebiet zum Indexieren, Speichern und Wiederauffinden" benutzt wird (133). Darin werden auch manche sprachliche Beziehungen der aufgenommenen Begriffe erläutert, ob z.B. von einer Äquivalenzrelation, hierarchischen Relation oder Assoziationsrelation die Rede ist. Über einen Thesaurus kann Information (Inhaltswert) innerhalb einer Dokumentenmenge selektiert werden, während aber der eventuelle Geschäftskontext (Kontextwert) kaum und die Administration und Lebenszyklus-Verwaltung der Objekte (Dokumente) nicht in das Auge gefasst werden. Dafür eignet sich in einem Betriebsumfeld eher eine Basisklassifikation mit allenfalls weiterführenden Metadaten und Workflowdaten. Diese Regelwerke und Prozessanalysen können z.B. einer Fachanwendung hinterlegt sein und dabei noch relativ einfach bleiben, oder sie können auch die Rolle eines komplexeren "semantischen Netzes" in einem generischen RMS (Records Management System) erfüllen.

Ein semantisches Netz ist "eine geordnete Zusammenstellung von Begriffen (...), deren Zusammenhang über beliebige Beziehungen miteinander definiert wird" (133). Die Begriffe, z.B. eine konkrete Stelle oder Funktion, sowie die Beziehungen sind typisierbar und darum mehrfach verwendbar. Die Beziehungen können z.B. die Rollen und die Geschäftsbereiche mit Hinsicht auf die Begriffe umfassen, wodurch das Prozess- und Strukturwissen eines Betriebsumfelds (Kontextwert) abgebildet werden kann. Wie Thesauri ermöglichen Basisklassifikationen, Metadatenschemen und semantische Netze die Kommunikation, Koordination und Synergie mit den Kollegen, Partnern und Kunden/Einwohnern und zielen auf gesamtorganisatorische Belange ab.