Das deutsche Projekt kopal ist auf drei Jahre ausgelegt. Der Artikel bringt Ausgangspunkte, Partner, Ziele, Programm und Zukunft zur Sprache. Das Projekt gilt als praxisorientiertes Pendant des eher theoretisch orientierten Projekts nestor, wobei es zuallererst um ein Kompetenznetzwerk für die Langzeitarchivierung geht. Die kopal-Partnerschaft strebt ein Betriebsmodell und den Einsatz von praktischen Tools an. Kopal will eine "nachnutzbare technische und organisatorische Infrastruktur zur Sicherung der Langzeitverfügbarkeit elektronischer Publikationen" überprüfen und einrichten (199). Bibliothekswissen (u.a. Die Deutsche Bibliothek), Erfahrung eines Rechenzentrums und Know-how der Firma IBM fliessen im Projekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zusammen.
Standardisierung (ausgehend vom Digital Information Archiving System von IBM, zusammen mit der Koninklijke Bibliothek (KB) der Niederlande) und Strukturierung nach dem OAIS-Konzept (Open Archive Information System) sind wichtige Komponenten. Stabilität, Performanz und Skalierbarkeit müssen gewährleistet sein. Fernzugriff, Mandantenfähigkeit, flexible und spezifische Metadatierung sowie offene Schnittstellen stehen im Vordergrund. Zudem sind, neben Migrationsprozeduren bzw. -tools, Software-Module zur maschinellen Homogenisierung, Validierung und Dokumentierung der massenhaft einzuspeichernden Primärdatenobjekte notwendig. Weitere Schwerpunkte betreffen die Zertifizierung der Verfahren und Methoden beim Betrieb im Alltag, damit "trusted repositories" entstehen können. Open Source Software erhält gerade auch in diesem Umfeld Gewicht, auch wenn kommerzielle Tools sich inzwischen ebenfalls etablieren können.
Kopal sieht das Mengenproblem der Langzeitverfügbarkeit. Publikationen liegen mit den Rohdaten heute grundsätzlich elektronisch, "born digital", vor. Digitalisate, Websites und Multimedia-Objekte kommen noch hinzu. Folgende Herausforderungen bestehen:
Der Artikel hält fest: Migration "dürfte (...) vor allem für eher statische Formate die vernünftigste Strategie sein", weil die Gefahr vor Verluste "von (Teil-)Informationen bei automatisch ablaufenden Migrationsroutinen" grösser Datenmengen relativ gering bleibt (198). Emulation kann kumulativ allzu aufwändig werden, dennoch für sehr komplexe Formate wie Multimedia-Objekte Relevanz haben. Zwar konzentriert sich das Projekt kopal auf Publikationen und somit in den meisten Fällen auf "non-records". Doch gelten neben Publikationssystemen auch Dokumentenmanagementsysteme als mögliche Quellsysteme, die über Import- und Exportschnittstellen in das Archivsystem einzubinden sind.