In den letzten Jahren wurde nicht mehr so ausführlich über die Digitalisierung von Zettelkatalogen publiziert. Solche Projekte sind offenbar zum Normalbetrieb geworden. Interessant bleiben sie aber immer noch. Das Autorenkollektiv schreibt über einen konkreten Projektablauf mit Eigenleistungen der Bibliothek und Drittleistungen einer Firma nach einer Ausschreibung. Es handelt sich um die Digitalisierung des Systematischen Zettelkatalogs der Württembergischen Landesbibliothek (WLB) in Stuttgart. Nachdem vorher der Alphabetische Katalog verfilmt und über das Internet veröffentlicht wurde, wurde der systematische Sachkatalog der Jahre 1930 bis 1995 in circa zwei Jahren gleichfalls verarbeitet.
Leider werden keine Kennzahlen bezüglich Kosten genannt, auch die gewählten Formate und aufgebauten Datenstrukturen bleiben unbesprochen. Der Systematische Katalog umfasst die Fachgebiete Geschichte, Theologie, Recht, Musik, Kunst, Medizin, ferner Württembergica und Sondersammlungen. Er ermöglicht eine deduktive thematische Suche, während der Alphabetische Katalog formale Suchabfragen nach Autoren usw. abdeckt.
Alle Katalogkarten wurden gescannt, zudem die Leitkarten und das Generalschlagwortregister für den schnellen Sucheinstieg (insgesamt 2,7 Mio Karten). Auf eine OCR-Erkennung wurde verzichtet, weil "zu fehleranfällig und aufwändig in der Nachbearbeitung" (720). Alle Schlagwortregistereinträge und die systematischen Leitkartentexte (Klassenbezeichnungen mit weiteren, hierarchisch geordneten Sachgruppen) wurden manuell erfasst. "Bei der Testerfassung des Generalschlagwortregisters wurde eine Fehlerquote von plus/minus 2% errechnet; dieser Wert sollte sich bezogen auf die gesamte Erfassung der ca. 117.000 Zettel [Generalschlagwortregister-Karten] nicht verändern" (723).
Von den Einträgen des Generalschlagwortregisters und den Leitkarten kann über Links auf die einzelnen Katalogkarten (Notationen) zugegriffen werden. Der nächste Schritt gibt Zugang zum Ausleihsystem der WLB. Der Katalog ist unter DigiSyk seit Herbst 2005 auf der Website der Bibliothek (http://www.wlb-stuttgart.de) verfügbar. "Die Investition vergangener Jahrzehnte konnte dadurch nicht nur erhalten, sondern auch auf die heutigen Benutzererwartungen übertragen werden" (725).