Records- und Datenmanagement


Ute Winter: Der Archivserver. Funktionen, Arbeitsbereiche, Probleme

Bibliotheksdienst. Organ der Bundesvereinigung deutscher Bibliotheksverbände (BDB), 33 (1999), Heft 9 (September), S. 1520 – 1526

„Was das Magazin für die gedruckten Werke einer Bibliothek ist, ist der Archivserver für die virtuelle Bibliothek“ (1520). Ein Archivserver wird auch Depotserver, Dokumentenserver, Objektserver oder Medienserver genannt, wobei es sich um Hard- und Software zur Speicherung, Verwaltung, Langzeitkonservierung, Recherche und Präsentation digitaler Textdokumente und vermehrt auch multimedialer Objekte handelt. Nicht nur die Primärdaten (Dokumente, Dateien an sich) werden aufbewahrt, sondern auch die Sekundärdaten (beschreibende Daten, Metadaten, Merkmale oder Indexdaten). „Verlässlichkeit des Zugriffs und gute Performancezeiten sowie die inhaltliche Qualität des Angebots auf dem Archivserver sind Voraussetzungen für die Akzeptanz seitens der Nutzer“ (1521).

Es gibt noch weitere Anforderungen an einen Archivserver: Die Datenintegrität muss sichergestellt werden, die Authentizität muss „jederzeit intern als auch extern nachprüfbar“ sein (1521). Ein Backup-Szenarium muss vorliegen. Die technischen Weiterentwicklungen setzen ein Vorgehensverfahren für Konversion, Migration oder Emulation voraus. Klar und kernartig umschreibt der Autor die Begriffe: „Beim (...) Migrationsmodell werden die Objekte von einer Hard- und Softwareumgebung in eine neue Umgebung integriert“ (mit Gefahr, dass sie nicht unverändert bleiben). „Beim Emulationsmodell bleiben die Objekte selbst unverändert, die neue Hard- und Software-Umgebung bildet dann die ursprüngliche Umgebung nach“. Ein drittes Modell, dieses eines Technikmuseums, ist natürlich auf die Dauer nicht handhabbar. Hier werden „die unveränderten Objekte in einer unveränderten Hard- und Software-Umgebung aufbewahrt“ (1523).

Der Artikel bezieht sich hauptsächlich auf den Hochschulbibliotheksbereich, hat aber durchaus auch für Archive und Schriftgutverwaltung Relevanz. Obwohl der Autor keine konkrete Antworten gibt, macht er doch klar, wie wichtig Standardisierung der Hard- und Software, Datenstrukturierung (Katalogisierung) und prospektive Bewertung der Primärdaten sind. Benutzerfreundlichkeit des Archivservers (einheitliche und verständliche Bedieneroberfläche für alle Funktionen, einfache Interfaces, Einbindung ins Intranet und Internet) und Pragmatismus zahlen sich ebenfalls aus.

Einige weitere Bemerkungen können (aus der Sicht eines Archivars bzw. Schriftgutverwalters) anlässlich des Artikels gemacht werden:

Der Artikel verdeutlicht, dass viele Aspekte psychologischer, technischer, juristischer, organisatorischer und logischer Art berücksichtigt werden müssen. Ausschlaggebend sind: Strukturieren der Informationen über Metadaten und Systematiken, Verwalten der Formate auf Basis ihres Lebenszyklus, Organisationsvorschriften und selbstverständlich auch Schulung und Akzeptanzbildung bei den Mitarbeitenden. Sind diese Aspekte in Ordnung, erst dann können die technischen Möglichkeiten voll ausgeschöpft werden.