Mikroverfilmung und elektronische Archivierung


Wolfgang Vogt: Verfilmung von gefährdeten Architektur- und Technikzeitschriften. Ein Förderprojekt der DFG

Bibliotheksdienst. Organ der Bundesvereinigung deutscher Bibliotheksverbände (BDB), 32 (1998), Heft 10 (Oktober), S. 1733 - 1740

Die Hessische Landes- und Hochschulbibliothek Darmstadt verfilmt seit 1996 in Eigenregie die bestandsgefährdeten Architektur- und Technikzeitschriften des 19. und frühen 20. Jahrhunderts (holzschliffhaltiges Papier, das vom säurebedingten Zerfall bedroht wird). Das Projekt ist noch nicht abgeschlossen, aber die ersten Schlussfolgerungen sind schon möglich.

Die EROMM-Datenbank (European Register of Microform Masters) wurde beigezogen und verschaffte die Sicherheit, dass die Gefahr einer Doppelverfilmung nicht existierte. "Kein einziger Titel war bisher verfilmt worden, wodurch der Themenschwerpunkt als auch der Verfilmungszeitraum eine Bestätigung fanden".

Bei der Planung wurde berechnet, dass 35 Zeitschriftentitel, bestehend aus 1.080 physischen Bänden, verfilmt werden sollten. Bei einem Mittelwert von 400 Seiten pro Band würde sich hieraus eine Gesamtseitenzahl von 432.000 Seiten oder 216.000 Mikrofilmaufnahmen ergeben. Die Forderung einer vollständigen Verfilmung der Titel wurde erst nachträglich berücksichtigt. Dadurch entstand während des Projekts ein erheblicher Zusatzaufwand (das Organisieren von Fernleihen) und mussten auch beträchtlich mehr Bände verfilmt werden als anfangs bei der Planung angenommen war.

Die Strukturierung der Filmrollen geschah über Vor- und Nachspannblätter pro Rolle (mit Angabe der Herkunft der verfilmten Titel), über Leeraufnahmen innerhalb einer Filmrolle (Abgrenzung der Bände und Hefte) und über das Setzen von Bildmarken (Blips) pro Aufnahme (Doppelseite). Für die spätere Erschliessung ist solches Vorgehen unerlässlich. Blips ermöglichen zudem das automatische Scannen der Filmrollen hinterher. Denn Mikroverfilmung gilt für die Langzeitkonservierung noch immer als "unbestritten", für die Vermittlung und Benutzung ist dagegen Digitalisierung angesagt.

Der Entscheid zur Eigenleistung hat sich ausgezahlt. Der Preis pro Aufnahme ist drei Mal billiger als der Preis bei einer Fremdvergabe. Zwar wird keine Vollkostenrechnung präsentiert (z.B. auch die Amortisation der Investitionen, die Bezifferung des Overheads) und konnten Studenten à 15,61 DM pro Stunde eingesetzt werden. Diese machten im Durchschnitt 294 Aufnahmen pro Stunde in guter Qualität und gestatteten beiläufig sinnvolle Ad-hoc-Massnahmen vor Ort wegen aufgedeckter Buchschäden und unerwarteter Fehlen von Seiten.