Records- und Datenmanagement


Volker Trugenberger (Übers.): EDV-Planung im Archiv. Planungs- und Entscheidungsprozesse (Planning for Information Technology in Archives. Planning and Decision Processes). Grundlagenpapier des Automatisierungsausschusses des Internationalen Archivrats (ICA Committee on Archival Automation)

Der Archivar. Mitteilungsblatt für deutsches Archivwesen, 50 (1997), Heft 4 (November), S. 747 - 768

Rezensent Peter Toebak

Die Frage steht im Mittelpunkt, wie Archivare die neuen EDV-Techniken in die eigenen Organisationen einführen sollen. Sieben Planungs- und Entscheidungsschritte bilden die solideste Vorgehensweise. Der Automatisierungsausschuss des ICAs spricht selber von Prozessen, die teilweise in einer bestimmten Reihenfolge ablaufen, teilweise in einander greifen müssen: langfristige Konzeption; Produktplanung und -management; Strukturplan der Arbeitsabläufe; EDV-Strategie und -Taktik; Konzept einer EDV-Architektur; Auswahlkriterien für Hardware, Software und Kommunikationstechnik; Beschaffung bzw. Entwicklung der Anwendung(en). Diese sieben Einzelschritte werden ausführlich behandelt.

Die Übereinstimmung mit Business Process Reengineering oder Geschäftsprozessoptimierung im Allgemeinen ist offensichtlich. Als erstes müssen immer die organisatorisch-inhaltlichen Prozesse eines Unternehmens/einer Behörde rationalisiert, dann die EDV- oder IT-Unterstützung gestaltet werden. Dabei ist vom Allgemeinen zum Besonderen vorzugehen. Für andere Geschäfts-/Verwaltungsbereiche als Archive hat der Beitrag zweifellos ebenfalls exemplarische Bedeutung, vor allem auch für die übrigen Informationsvermittlungsbereiche (Dokumentare, Bibliothekare und Schriftgutverwalter), welche die IT-Unterstützung ihrer Primärprozesse planen und/oder neu planen.

Die Verknüpfung mit dem archivischen Vorfeld bleibt ausser Betracht. Das ist schade. Archivische Erschliessung und Verwaltung fangen nicht erst an, wann die (elektronische) Schriftgutverwaltung aufhört! Archivare sollten auch aus diesem Grund das einer näher behandelten Fallstudie Entnommene zu Herzen nehmen: "Eine EDV-Architektur, die nicht auf offenen Systemen fusst, führt zu einer herstellerspezifischen EDV-Umgebung, bei der die Anwender vom Anbieter abhängig sind". Und: "Beim Entwickeln von Systemen, die nicht dem allgemein akzeptierten Industriestandard entsprechen, kann eine Institution (...) hilflos allein gelassen werden".