Für Bibliotheken wird die "zuverlässige" Aufbewahrung digitaler (wissenschaftlicher) Ressourcen wie auch für Archive immer dringlicher. Bibliotheken können die organisatorischen Elemente der Lösung vielleicht etwas leichter erreichen als Archive, weil sie die "Produktion, Publikation und Distribution" (theoretisch) mehr beeinflussen und so die relevanten Formate stärker einschränken können. Archivare müssen sich im komplexen vorarchivischen Bereich als eine der vielen Partizipanten "durchsetzen" und haben dabei mit einer sehr grossen Menge und Vielfalt an Formaten zu tun. Qua technisches Vorgehen sind die Unterschiede zwischen beiden Informationsbereichen weniger erheblich.
Interoperable Metadaten für "digital preservation", neben lokal-geprägten Profilen (Anpassung an Erfordernisse, Möglichkeiten und Absichten vor Ort), klare Begrifflichkeit und Strukturierung der Metadaten, funktionale Anforderungen an die Systeme konkretisieren die logisch-organisatorischen Bedürfnisse. Für die Erfassung der Metadaten sind zunehmend auch Workflow-Modelle denkbar. Wer übernimmt welchen Teil der Arbeit, wobei es im Bibliotheksbereich auch um Metadaten für die Rechteverwaltung (Urheberrechte, Rechte der Nutzer) gehen kann. Mithilfe von Layout-Analysen können Metadaten künftig auch vermehrt automatisch erfasst werden bei typischen Dokumentstrukturen. Dies ist bei ausgeklügelter Scanner-Software bereits seit längerer Zeit möglich.
Im technischen Bereich stehen die sichere Speicherung (auch im Sinne der Datenintegrität und Authentizität) und das Überleben der Innovationszyklen im Vordergrund. Bereitstellung und Sicherung digitaler Publikationen durch Vervielfachung und Lagerung an verschiedenen Orten (Redundanz, ständiger Abgleich der Server-Inhalte) kann für das Archivwesen natürlich keine Lösung sein. Das (variierte und umfangreiche) Mengengerüst, die Rechtssicherheit und die Authentizität der Dokument-Zusammenhänge sind auf diese Weise nicht handhabbar oder zu gewährleisten. Authentifizierung (Verschlüsselung, digitale Signaturen, digitale Zertifikate) schützt zwar die Echtheit der Herkunft eines Dokuments, aber damit noch nicht die "Originalität", dies heisst im archivischen Umfeld die Verlässlichkeit des Inhalts. Handelt es sich um das endgültige Originaldokument? Ist es nachträglich akzeptiert oder abgelehnt? Usw.
Bewertung ist für Archive schon längst kein seltenes Thema mehr, die "Formulierung von Kriterien für die Auswahl der zu archivierenden Objekte" (189) bekommt aber auch für Bibliothekare immer mehr Bedeutung.
Die besprochene Tagung "Preservation 2000" und Workshop "Information Infrastructures for Digital Preservation" in York, Dezember 2000, woran sich v.a. Bibliothekare, Archivare und Informatiker aus der angelsächsischen Welt beteiligten, machte (einmal mehr) klar: Viel Denkarbeit ist gemacht, ein breiter Konsens ist vorhanden, jetzt kommt es (endlich) auf die praktische Umsetzung an.