Die Informationsgesellschaft lässt sich nicht mehr aufhalten. Die Folgen für die Dokumentation (und Informationswissenschaft im Ganzen) sind noch nicht völlig klar. Vier mögliche Wege werden im Artikel kurz aufgezeigt: 1. Konvergenz der Informationsberufe Archiv-Bibliothek-Dokumentation; 2. Informationswissenschaft und -praxis als Teil der Informatik; 3. Informationswissenschaft und -praxis als Betriebswirtschaftslehre; 4. Informationswirtschaft als neue Wissenschaftsdisziplin.
Für die ersten drei Wege sind im deutschsprachigen Raum Befürworter vorhanden: respektive die Ausbildungsinstitute in Potsdam, Konstanz und Graz. Der vierte Weg ist der Weg des Autors (meiner Ansicht nach die Kombination von 2 und 3). "Hier lösen sich Wirtschaftsinformatik aus der Allgemeinen Informatik, Informationsmanagement aus den Wirtschaftswissenschaften und verbinden sich mit der Informationswissenschaft und -praxis zu einer Disziplin, die durchaus das Zeug hat, zur Leitdisziplin der Informationsgesellschaft aufzusteigen".
Der 1. Weg ist zu beschränkt, kann meines Erachtens auch nur für die Basisstufe einer informationswissenschaftlichen Ausbildung fruchtbar sein. Hinter den Kulissen werden die grundsätzlichen Unterschiede und Gesichtspunkte zwischen Schrift-/Archivgut und Dokumentations-/Bibliotheksgut divergierend bleiben (betriebsinterner und -externer Herkunft der Informationen; formale, funktionelle Zusammenhänge der Dokumente gegenüber einer eher thematischen Ausrichtung von Einzelstücken).
Carol Couture (Ecole de Bibliothéconomie et des Sciences de lInformation in Montreal) sagte diesbezüglich in einem Interview mit Recht, dass für die Archivistik "multidisciplinarité" gleich wichtig ist wie "interdisciplinarité". "Ainsi, il nous faut explorer des échanges soutenus avec des domaines comme le droit, ladministration et la gestion, la muséologie, lhistoire, les sciences politiques et bien dautres. Par exemple, pour une problématique telle que lévaluation, nous avons tout à gagner à regarder du côté de la philosophie, des sciences de léducation, des sciences économiques" (Arbido, 13 (1998), Nr. 7-8 (Juli-August), S. 8 - 10).
Der 2. Weg überhöht meiner Meinung nach die Rolle der Informatik, die zudem auch für andere Bereiche als Informationswissenschaft ein wichtiges technisches Hilfsmittel bleibt. Der 3. Weg ist für die Schriftgutverwaltung (Dokumentenmanagement) innerhalb von Unternehmen und Verwaltungen reell und interessant genug. Er hat wahrscheinlich wegen der "Betriebsbrille" der Dokumentation auch für diese Sparte der Informationswissenschaft zunehmende Bedeutung. Für das Archivwesen und den Bibliotheksbereich bleiben dann noch die kulturellen Aspekte zu berücksichtigen.
Stock ergänzt seine Vision bezüglich der Informationswirtschaft in einer Reaktion auf eine Besprechung seines Buchs Informationswirtschaft. Management externen Wissens (München, Wien, Oldenburg, 2000): "Informationswirtschaft als Wissenschaftsdisziplin hat mehrere Subdisziplinen, die alle aufeinander angewiesen sind" (NfD, 52 (2001), Nr. 2 (März), 123):