Betriebswirtschaftliche Ansätze sind vermehrt auch für den Bibliotheks- und Archivbereich interessant. Im Artikel werden die Ergebnisse einer Kostenanalyse des Reproduktionsprozesses an einer Bibliothek mit Altbestand dargestellt. Die angewandte Methodik bleibt leider zu wenig beleuchtet. Die Untersuchung beschränkt sich zudem auf die direkten Arbeitsprozesse im Zusammenhang mit der Reproduktion älterer Drucke und Handschriften, namentlich die relevanten Einzelaktivitäten der Abteilungen Auskunft, Restaurierwerkstatt, Digitalisierungs- und Fotowerkstatt sowie Verwaltung.
Die Nachfrage nimmt ohne Zweifel zu, Benutzer haben zunehmend Reproduktions- und Kopierwünsche. Der betriebliche Aufwand ist jedoch beträchtlich, auch weil der Schutz alter Drucke und Handschriften ein arbeitsintensives Handling vorschreibt. Der Kostendeckungsgrad betrug lediglich 22%, denn ein Standardauftrag (101,60 Aufnahmen, vor allem Mikrofilme oder Mikrofiches, aus 3,67 Werken), inklusive der Grundkosten der Auftrags- und Werkbearbeitung, kostete DM 302,35 und ergab nur einen Ertrag von DM 66,96.
Eine allzu grosse Erhöhung der Preise wurde, abgesehen von der Einführung einer Bearbeitungsgebühr von DM 10,00 für die Grundkosten, trotzdem nicht vorgenommen. Forschung und Kultur werden mit Recht von der öffentlichen Hand subventioniert und damit demokratisiert. Kostentransparenz ist dennoch wichtig, weil sie die Grundlage für weitere Rationalisierung der Arbeitsprozesse und das Erproben und Verkennen neuer zusätzlicher Finanzquellen sein kann. Eine betriebswirtschaftlichere Sichtweise wirkt im Allgemeinen auch dort sehr erfrischend, wo jahrzehntelang nur inhaltliche, fachlich-interne Aspekte herrschten und das Zeitalter des New Public Management sich weiter durchsetzen wird.
Noch ein realistischer, konkreter Hinweis in diesem Kontext: Fehleinschätzungen spezifischer Einzelarbeitsschritte (Aktivitäten) finden desto eher statt, wenn das Zeitkontingent eher gering ist. "Eine Einzeltätigkeit, die mit 1 Minute angegeben wird, aber faktisch nur 30 Sekunden dauert, führt zu 50% Abweichung im Resultat und kann sich bei einer entsprechenden Häufigkeit gravierend auswirken" (1621). Das Erheben von Kenn- und Wirkungszahlen ist nicht einfach und fordert systematisches und nachhaltiges Vorgehen!