Vermittlung und Benutzung


Peter Stadler, Rainer Wellmann, Ernst Mernke und Martin Thomas: ScanMail -Volltexte scannen und elektronisch liefern. Oder: Wann hat der Enduser seinen Volltext auf dem Schreibtisch?

Bibliotheksdienst. Organ der Bundesvereinigung deutscher Bibliotheksverbände (BDB), 33 (1999), Heft 11 (November), 1856 – 1863

Rezensent Peter Toebak

"Die Bereitstellung und Lieferung vollständiger Texte von Aufsätzen oder Buchbeiträgen (Volltexten) gehört zu den Kernaufgaben jeder Spezialbibliothek der Industrie, weil der Bedarf dafür in Unternehmensbereichen beträchtlich ist": bei Mitarbeitern in Forschung und Entwicklung, bei Managern, bei Mitarbeitern in Verwaltung, Produktion und Vertrieb (1856). Die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Dokumenttransporte zu den Endbenutzern werden im Artikel aufgezeigt: Kopieren mit Hauspostlieferung, Kopieren mit Faxlieferung, Scannen mit E-Mailversand und direkter Zugriff auf elektronische Zeitschriften (E-Journals).

Der Artikel hat für Registratoren oder Schriftgutverwalter ebenfalls Bedeutung, weil auch die Eingangspost, ungefähr gleich wie die Literatur- und Dokumentationsanfragen, tagtäglich verarbeitet und weitergeleitet werden muss. Die Analyse der anfallenden Teilarbeiten ist darum beispielhaft: Eintreffen und Heraussuchen des Originals, Kopieren, Scannen bzw. Herunterladen des Originals, Korrigieren der Fehler beim Kopieren, Scannen oder Herunterladen, Konvertieren in benutzerfreundlichere Formate, Versenden der Kopien bzw. Übertragen der Abbilder und Dateien, Wegräumen des Originals, usw.

Eine Arbeitskraft sollte, so die Autoren, auf diese Weise pro Monat 8.200 Seiten scannen und mailen können (12 Minuten pro Aufsatz von 10 Seiten). Sie gehen dabei (zu optimistisch) von einer Nettoarbeitszeit von 7,5 Stunden pro Tag aus. Der berechnete Zeitaufwand pro Teilhandlung könnte bei der Schriftgutverwaltung noch etwas höher ausfallen, weil die Durchschnittsanzahl von 10 Seiten pro Literatur- und Dokumentationsdokument bei einem Schriftgutdokument sicherlich halbiert werden muss (während neben Kopien auch die Originale öfters noch in die Organisation weitergeleitet werden).

Qua Schnelligkeit, Qualität des Ausdrucks, Ergonomie und Schonung des Originals verspricht das Liefern von Dokumenten per E-Mail das beste Ergebnis. Das Herunterladen von Volltexten aus E-Journals fördert vor allem die Disintermediation: Endbenutzer brauchen die Bibliothek erst wieder als Dienstleister, "wenn der Internet-Einstieg langwierig und (...) unkomfortabel" wird (1862). Selbstständiges Herunterladen von Dateien durch die Sachbearbeiter ist angesichts des (betriebsinternen) Schriftguts relevant, soweit es sich um das Benutzen der dynamischen Dossiers und Serien und die Wiedervorlage von Dokumenten und Akten des Zentral- oder Alt-Archivs handelt.

Beim Scannen entsteht pro Seite je eine TIFF-Datei; erst in zweiter Instanz wird für das Gesamtdokument unter Verwendung von Acrobat Distiller als virtuellem Drucker eine einzige PDF-Datei erzeugt. Die Endnutzer werden sich darüber freuen, während die Lebenszyklus-Verwaltung so vieler TIFF-Files nur vermieden wird, weil sie wegen des Urheberrechts nach dem Versand sofort wieder gelöscht werden. Für die Schriftgutverwaltung reicht solches Vorgehen natürlich nicht aus.