Die Autorin postuliert mit Recht, dass "Information nur beherrscht werden kann, wenn ihre Strukturierung gelingt". Sie schlägt ein "ganzheitliches Informationsmodell" für die Erfassung und Verwaltung von Kunstobjekten vor, was sich in der Begrifflichkeit des Dokumentenmanagement und der Archivierung durchaus mit dem (ebenfalls holistischen) Lebenszyklus-Konzept vergleichen lässt. Obwohl der Artikel spezifisch auf die Beschreibung und Ordnung von Kunstobjekten ausgerichtet ist, sind mehrere Aspekte grundsätzlicher Art auch für die Strukturierung von Dokumenten relevant.
Die vorgeschlagene Objekt-, Sicht- und Ablauforientierung zeigt für beide Kategorien den Lösungsschlüssel auf, wobei immer drei Schritte zu unterscheiden sind: die Identifikation der einzelnen Objekte/Dokumente, die Attributierung über Eigenschaften (also Metadaten) und die Klassifikation. Die Klassifikation sieht Ober- und Unterbegriffe vor, dies heisst eine Hierarchie nach generischen Klassen, mit diskriminierenden Kriterien wie Inhalt (Thema), Funktion (Rolle) und Form.
Zwischen Kunstobjekten und Dokumenten (Schrift- und Archivgut) besteht aber auch ein wichtiger prinzipieller Unterschied. Dem Dokumentenmanagement und der Archivierung genügt eine Klassifikation nach Objekt- bzw. Dokument-Klassen oder Dokument-Typen nicht, weil für die schrift- und archivgutbildende Organisation die Dokument-Zusammenhänge (Entstehungszusammenhänge) in Akten oder Dossiers oftmals mehr Relevanz haben als eine rein formale Charakterisierung der Einzelelemente. Darum werden teilweise auch völlig andere Anforderungen an die Strukturierung oder Klassifikation gestellt, was über einen Akten- oder Registraturplan dennoch effektiv und effizient realisiert werden kann.