Synergien und Lageanalyse


Wolfgang Ratzek: ABD-Institutionen zwischen Tradition und Fortschritt - Platz für alle?

Nachrichten für Dokumentation (NfD). Information - Wissenschaft und Praxis, 52 (2001), Nr. 2 (März), S. 101 - 104

Rezensent Peter Toebak

Der Autor reagiert auf einen Artikel von Gernot Wersig in NfD vom Dezember 2000 ("Perspektiven der Informationsgesellschaft. Die Zeit des Wandels", 51, Nr. 8, S. 461 - 465). Wersig sieht die Lösung der heutigen Anpassungsprobleme im ABD-Bereich durch eine Art Fusionierung. Ratzek will dagegen proaktiv handeln, (mit)gestalten, statt passiv oder vielleicht besser reaktiv vorgehen. Beide beziehen das Archivwesen in ihre Betrachtungen mit hinein. Sie machen aber nicht den Eindruck, es wirklich zu kennen.

Sowohl die neu entwickelten methodischen Vorgehen als die neuen berufspolitischen Konzepte gerade im Archivwesen werden nicht berücksichtigt. Auch wird die deutsche Situation und die institutionelle Ebene als Ausgangslage der Betrachtungen genommen, wo die Verhältnisse möglicherweise noch am meisten "festgerostet" sind. Beide glauben, dass die Dokumentare am zukunftsfähigsten sind. Wahrscheinlich haben aber vor allem sie die Disintermediation (Endbenutzer bewirtschaften und holen die Informationen selber am Bildschirm) zu fürchten, was selbstverständlich andererseits eine Herausforderung für sich sein kann.

Die Beiträge sind für Archivare interessant, um das Zwischengebiet im ABD-Bereich und das BD-Umfeld anzupeilen. Ein "intradisziplinärer Absturz in den Diletantismus" (siehe Martin Polke, "Gedanken zur Vereinfachung des Umgangs mit Informationen", in: NfD, 52, Nr. 1 (Januar/Februar), S. 16, Zitat von Helmar Krupp, 1999) wird auf jeden Fall keine Lösung bringen können, was für Ratzek auch nicht zur Diskussion steht.