Die Vor- und Nachteile von Ehrenamttätigen und freiwilligen Helfern in Bibliotheken wurden im Rahmen des DBV studiert und aufgezählt. Sie sind organisatorischer, finanzpolitischer, juristischer, fachlicher und sozialer Natur. Für Archive können das Positionspapier und die publizierten Musterverträge ebenfalls einen Nutzen haben. Die Rechte und Pflichten für beide Partien (Freiwilliger und Organisation) werden deutlich, aber auch die psychologische Einbindung dieses Arbeitsverhältnisses in die Aufbau- und Ablauforganisation eines professionellen Betriebs.
Das Positionspapier versteht meiner Ansicht nach den Begriff Kernaufgaben falsch, wo in diesem Kontext doch von unterstützenden und Managementaufgaben die Rede ist (Planung, Controlling, Marketing, Vertretung nach aussen usw.). Die Kernaufgaben einer Bibliothek sind dagegen Aufgaben wie Bestandsaufbau, Erschliessung, Aufsucharbeit, Öffentlichkeitsarbeit usw. Wie auch immer, es ist wichtig, dass die Bibliothek (oder das Archiv) die Freiwilligen-Arbeit organisatorisch gut verankert, durch diese nicht allzu sehr auf die persönlichen Interessen eines Kandidaten zuzuschneiden. Hier liegt aber selbstverständlich auch sofort das grösste praktische Problem.
Aus eigener Erfahrung kann betont werden: Eine minimale Präsenz pro Woche (z.B. 1 Arbeitstag oder noch besser 2) sollte bei konkreten Verträgen als Ausgangspunkt genommen werden. Das Positionspapier deutet auf einen erheblichen Arbeitsaufwand der hauptamtlichen Kräfte, wenn Freiwilligen-Arbeit zum System wird. Fachliche Begleitung und menschliche Betreuung sind dann tatsächlich nicht zu unterschätzen. Die Organisation hat bei Freiwilligen-Arbeit sicherlich nicht nur zu gewinnen.
Musterverträge sind wichtige Instrumente zur Strukturierung eines freiwilligen Arbeitsverhältnisses, sie bieten vor allem auch den Freiwilligen gewisse Sicherheiten (Haftung, Versicherung). Verträge können aber hinsichtlich Qualität und Quantität der zu leistenden Arbeit keinen wirklichen Rückhalt geben. Sanktionen sind, abgesehen von der Beendung der Arbeit, nicht möglich. Eine längerfristige Bibliotheks- oder Archivpolitik auf der Basis von Freiwilligen-Arbeit wird darum auch kaum möglich oder erwünscht sein. Die Output-Produktion freiwilliger Helfer kann sich dafür in Einzelfällen als überraschend erweisen!