Bestandserhaltung


Regula Nebiker Toebak, Markus Reist, Susan Herion, Marcel Piller und Agnes Blüher: Papierentsäuerung in Wimmis. Der Betrieb läuft an

Arbido, 15 (2000), Nr. 3 (März), S. 20 - 23

In diesem Artikel wird auf informative und lebendige Weise beschrieben, wie nach zehnjähriger Vorbereitungszeit das Papierentsäuerungsmengenverfahren in Wimmis (CH) in Betrieb genommen wird. Die Geschichte des gemeinsamen Projekts des Bundesarchivs und der Schweizerischen Landesbibliothek, die Einrichtung der Anlage, das Vorgehen und die Qualitätssicherung des Produktionsverfahren, sowie die logistischen und organisatorischen Abläufe im BAR und der SLB werden kurz aufgezeigt.

Die Qualitätsstandards könnten vermuten lassen, das bei diesem Flüssigverfahren auf der Basis von Chemikalien (Titan- und Magnesiumalkoholate als Säurebindungs- und Lösungsmittel und Aufbau einer alkalischen Reserve mittel Magnesiumcarbonat) viel falsch gehen kann: Farbveränderung, Abnahme der mechanischen Festigkeit, Ablagerung, Veränderung an Tinten oder Druckmaterialien, Strukturveränderung an der Papieroberfläche, Beeinträchtigung von Klebungen, Bindungen und Einbänden, Formveränderung, Verdickung, Geruchbelästigung, toxikologische Beschwerden). Dies wäre aber eine falsche Schlussfolgerung. Das Verfahren ist mittlerweile (in Deutschland) genügend ausgereift, ist transparent und bleibt auch für eventuelle Langzeitfolgen ausführlich dokumentiert.

Dazu kommt, dass die Alternative wenig attraktiv ist. Die Behandlungskosten betragen in Deutschland pro Blatt je nach Grösse zwischen 7 bis 12 Pfennig, was etwa DM 62'000 für 40 lfm. Archivgut entspricht ("Der Archivar", 53, 2000, Heft 1, Seite 47). BAR und SLB müssen rund Sfr. 27 pro Kilo bezahlen, worin Transport, Behandlung, Nachkonditionierung und Qualitätskontrolle enthalten sind. Gehe ich von 40 Kilo pro 1 lfm. aus (5 Kilo per Schachtel), dann sind Schweizer und Deutsche Kosten recht gut vergleichbar (DM 1'550 gegenüber Sfr. 1'060 pro 1 lfm.).

Beide Schweizer Institute setzen etwas andere Akzente, wobei das BAR die Bestände von 1850 bis 1960 vorzieht und die SLB die jüngeren Bestände von 1930 bis 1980 fürs erste behandelt. Andere Institute mit Bewahrfunktion in der Schweiz und Umgebung werden als Drittkunden ausdrücklich eingeladen, die Konservierung  ihrer Bestände ebenfalls mit dem neuen Angebot auszudehnen, allerdings zu noch unbekannten Preiskonditionen.