Die Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) Sachsen-Anhalt in Halle hatte die Möglichkeit, innerhalb eines Finanzrahmens von DM 500000.- ihre Zettelkataloge mit insgesamt 4,8 Millionen Zetteln zu digitalisieren. Der Finanzrahmen ermöglichte nicht die vollständige manuelle Erfassung aller Zettel. Auch musste auf die OCR-Option verzichtet werden, weil zahlreiche Zettel handschriftlich vorlagen und die Bild- und Druckqualität vieler nicht ausreichte.
Das Projekt zog die Kombination von Image Scanning der Primärdokumente (Zettel: Grafikauflösung 300 dpi, Format TIFF und GIF, Abzug auf 16 mm Rollfilm) und manueller Erfassung von Leitkarten (jeder 50. Zettel) vor. Die Aufschriften der Leitkarten wurden in einer Übersichtsliste gespeichert. Sie dienen als sogenannte "Einsprungspunkte" (Indexeinträge), hinter denen die Abbilder von je etwa 50 Zetteln abgelegt sind.
Bei der Eingabe eines Suchbegriffs erfolgt die Auflistung der Einsprungspunkte in dessen alphabetischer Nähe. Der Benutzer oder die Benutzerin kann den meist passenden Einsprungspunkt anklicken und muss weiter (allenfalls mit einer Schrittweite von 10 oder 20 Zetteln) vorwärts oder rückwärts "blättern", bis er oder sie das richtige Zettelabbild gefunden hat.
"Das Verfahren, (...), erinnert durchaus an die Suche in einem konventionellen Zettelkatalog: So wie im digitalisierten Katalog (Image-Katalog) ein Suchbegriff aus der Übersichtsliste zu wählen ist, muss ein entsprechender Schub im (papierenen) Zettelkatalog gewählt werden. Und so wie in diesem Schub zu blättern ist, muss auch im Image-Katalog geblättert werden" (787).
Dieser Vorgang ist aus Kostengründen nicht ungewöhnlich im deutschen Bibliothekswesen (siehe auch: Klara Erdei, "Kein Umzug für Zettel. Die digitalisierten Kataloge im Neubau der UB Kiel", Bibliotheksdienst, 35 (2001), Heft 4 (April), S. 453 - 457) und könnte auch für die umfangreichen Zettelkataloge in Archiven angewendet werden. Das Register kann nachträglich immer noch erweitert werden (mehr Indexeinträge).