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Immer mehr Archive bauen ihre eigene Website auf. Für ein klares Verständnis: eine Website kann aus mehreren Webseiten bestehen. Sie wird auch Homepage genannt, obwohl mit dieser Bezeichnung ursprünglich die Startseite einer Website gemeint wurde. Eine Website ist wichtig für die Erscheinung eines Archivs nach aussen (Öffentlichkeit, Wissenschaft, Fachwelt) und nach innen (Verwaltung). Benutzer können ihren Besuch oder ihre Anfrage zu Hause bzw. am Arbeitsplatz vorbereiten, vorausgesetzt, dass die Beständeübersichten und Findbücher methodisch einsichtig, also auch für Laien verständlich sind.
Das Spezifische einer Archiv-Website ist, dass die präsentierten Archivbestandteile auch in ihrem Kontext, dies heisst über eine Klassifikation, dargestellt werden müssen. Es ist das Ziel, bei der Beschreibung des Archivguts den Kontext und damit den (hierarchischen) Zusammenhang der Bestände, Bestandsuntergruppen und Einzelstücke sicherzustellen und die Archivtektonik festzuhalten. Der Gefahr einer Vereinzelung von Archivguteinheiten (Angelika Menne-Haritz) beim digitalen Zugriff kann so wirkungsvoll vorgebeugt werden. Kontextorientierte Suche und stichwortorientierte Recherche müssen beide möglich bleiben.
"Die Erschliessung der Bestände durch den Archivar führt den Benutzer nicht nur (...) zur einzelnen Akte; sie zeigt ihm darüber hinaus auch Strukturen der Verwaltung, ihrer Geschichte, der Bündelung und Verteilung von Kompetenzen auf und schafft damit eine Ebene des Metawissens über die Akten" (Artikel 1, 618).
Die Amerikaner haben dazu ein spezielles SGML-Format, namentlich das EAD-Format entwickelt. EAD scheint mir tatsächlich für die prospektive Erschliessung geeignet, sobald ein handliches Hilfsprogramm zur Erstellung (in der Art von z.B. FrontPage Express für HTML) vorhanden ist. Die Deutschen möchten weniger arbeitsintensiv vorgehen, und vor allem auch von dem, was bereits an Beständeübersichten und Findbüchern vorhanden ist, profitieren können. Für sie reicht es aus, diese in HTML umzusetzen.
Das Attraktive der deutschen Methode (das "Marburger Modell") ist, dass die Umsetzung bestehender Listen, Übersichten und Findbücher in HTML sich automatisieren lässt, sobald die grundlegenden Daten in einer relationalen Datenbank oder ähnlichen Struktur vorliegen. Die (hierarchischen) Relationen werden dabei in HTML-Tags übersetzt, während zusätzliche Informationstexte als anklickbare Hintergrundinformationen eingebunden werden können. "Die Hard- und Software-Anforderungen (des Generators WinM2H: das Windows-basierte Programmpakets MIDOSA-Online) sind bewusst niedrig gehalten", damit das Modell "gerade auch als realistische Lösung für kleine und finanzschwache Archive praktikabel scheint" (Artikel 2, 224).
Beide Methoden, EAD und MIDOSA-Online, sind übrigens ISADg-tauglich (die Internationalen Grundsätze für die mehrstufige archivische Verzeichnung).