Finanzen und Infrastruktur


Andrea Giovannini: Überlegungen zum Bau von Magazinen in Archiven und Bibliotheken

Arbido, 15 (2000), Nr. 5 (Mai), S. 10 - 16

Rezensent Peter Toebak

Der Autor bespricht die Aspekte, die bei Bauprojekten für Archive und Bibliotheken mit Bewahrfunktion relevant sind. So wird auf die Risiken von Wasserläufen in der Nähe, von möglichen Rückstauen in der Kanalisation und von Grundwasser vor allem auch in Ausnahmefällen hingewiesen. Bezüglich der Lage der Magazine und der technischen, administrativen und öffentlichen Räume im Archivgebäude wird ein Zirkulationsdiagramm vorgeschlagen. Effizienz für das Personal und Schonung des Materials müssen hierbei berücksichtigt werden.

Die Dimensionierung und die Traglast der Magazine werden behandelt. Klimatische Gleichmässigkeit, Sicherheitsvorkehrungen gegen Brand oder Überschwemmung, Luftzirkulation und Festigkeit der Baukonstruktion bzw. des Bodens sind in diesem Rahmen wichtig. 1 Laufmeter Archivalien (Holzschliffpapier) kann z.B. bis zu 100 kg wegen. Magazine können mit zusätzlichen Baumassnahmen sehr wohl unterirdisch gebaut werden, nämlich mit doppelten Wänden, Sammelstellen und Abläufen für Wasser und autonom zu betreibenden Pumpen. Estrichräume dagegen sind ganz und gar verpönt, weil sie vom Aussenklima nicht genügend abgeschottet werden können. Röhren und Leitungen dürfen nicht durch ein Magazin verlaufen, elektrische Leitungen höchstens einer sparsamen Beleuchtung in den Räumen selbst dienen.

Stabilität des Klimas innerhalb der Magazine ist der wichtigste positive Faktor für die Langzeitkonservierung des Materials. Die Qualität der Bausubstanz hat mehr Belang als eine gut funktionierende Klimaanlage. Der Autor gestattet meiner Ansicht nach noch recht grosse Schwankungen (2% in der Stunde, 3% im Tag) sowie Unterschiede zwischen Winter- und Sommerwerten bzgl. Temperatur (16-18°C versus 22-24°C) und relativer Feuchtigkeit (45-55% versus 50-60%). Dies hat damit zu tun, dass heute vermehrt auf Bausubstanz, interne Luftzirkulation und externe Lüftung oder (gefilterten und allenfalls erwärmten) Luftwechsel im Zusammenhang mit (optimalen) Aussenluftkonditionen gesetzt wird, statt auf technische Hilfsmittel zur Kontrolle und Steuerung von Temperatur und Feuchtigkeit (kostengünstige und natürliche Methode).

Der Artikel befasst sich vor allem mit dem Normalfall und -betrieb, am Schluss kommen aber auch der Schutz vor möglichen Katastrophen (Wasser, Feuer, Diebstahl) und der Katastrophenernstfall zur Sprache. Für die Gestelle und Einrichtung der Magazine verweist der Autor auf vorhandene Spezialliteratur, u.a. auf sein eigenes De tutela librorum. Die Erhaltung von Büchern und Archivalien (Genf, 1999, 2. Auflage).

Es handelt sich um einen wertvollen Beitrag, welcher aus ganzheitlicher Sicht geschrieben wurde. Der Text ist klar, was sicher auch der Übersetzerin Annette Ruef zu verdanken ist. An konkreten Hinweisen fehlt es nicht. (Eine jährliche Eichung der hygrometrischen Sonden scheint mir übrigens zu wenig häufig). Für kleinere Verwaltungen sind überdies vielleicht oft einfachere bauliche und technische Lösungen notwendig, wobei z.B. auch Holz und andere oekologisch verantwortungsvolle Baumaterialen eine klimaregulierende Rolle spielen können.