Standardisierung


Bärbel Förster: General International Standard Archival Description 2000. Eine 'neue' allgemeine internationale archivische Verzeichnungsnorm?

Arbido, 15 (2000), Nr. 12 (Dezember), S. 10 - 13

Rezensent Peter Toebak

Die Autorin stellt auf klare, übersichtliche Weise Anliegen, Entstehung und Entwicklung des ISAD(G) dar, beschreibt den Inhalt dieser internationalen Verzeichnisnorm und behandelt die wichtigsten Änderungen der zweiten Fassung (seit September 2000) der ersten Fassung gegenüber. Die erste Fassung datiert von 1993.

Das Wesentliche der ersten und zweiten Fassung ist und bleibt die hierarchische Beschreibung von Archivbestandteilen (Stufenerschliessung), dies im Gegensatz zur "flachen" bibliografischen Verzeichnung. ISAD(G) bildet ein mehrstufiges Verzeichnungsmodell:

Die ISAD(G)-Methodik gestattet die Erfassung des organisatorischen, archivischen Kontexts (Provenienz, Entstehungs- und Handlungszusammenhang) und des Inhalts letztendlich jedes einzelnen Dokuments, während die bibliothekarische Methode sich auf den inhaltlichen Aspekt eines Dokuments beschränkt.

Moderne Techniken, wie objektorientierte Programmierung (Vererbung von Eigenschaften), relationale Verknüpfung, Beschreibung von Dokumenten und Beständen über Metatags und Tags (EAD: Encoded Archival Description) und mehrdimensionale Darstellung auf dem Internet von Findmitteln und Archivverzeichnissen werden vom ISAD(G) ausreichend unterstützt bzw. ermöglicht.

Die Autorin präsentiert das Basisschema des Standards (26 Verzeichnungselemente über 6 (1993), neu 7 Bereiche: die 6 obengenannten Bereiche und die Verantwortung der Erschliessungsarbeit). Sie klärt die Minimalanforderungen einer archivischen Verzeichnung (Signatur, Titel, Provenienzstelle, Zeitraum, Umfang, Verzeichnungsstufe) und fasst die Grundprinzipien zusammen: Beschreibung vom Allgemeinen zum Besonderen, genaue Angabe der Position in der Bestandshierarchie oder Archivtektonik).

Die ISAAR (norme internationale sur les notices d'autorité archivistiques relatives aux collectivités, aux personnes et aux familles) wird ebenfalls überarbeitet (2004 fertig). Diese Norm weist Gemeinsamkeiten mit dem ISAD(G) auf, weicht davon andererseits erheblich ab. Die Ausrichtung ist anders: ISAAR(CPF) befasst sich mit allgemeinen Regeln zur Charakterisierung der Archivbildner mittels eines „archival authority record“ (kontrollierte, qualitätswerte Bezeichnung). ISAD(G) ist das Regelwerk für die Beschreibung der Verzeichniseinheiten („descriptive record“). Verwaltungen (und Unternehmen) gehen im Normalfall strukturierter und professioneller mit Archiv- und Schriftgut um als Privatpersonen und Korporationen. Diese können dennoch wichtiges historisches Material für Archiveinstellungen und die (historische) Öffentlichkeit beinhalten.

Der ISAD(G) ermöglicht den internationalen Austausch von Informationen über Archivgut, steht als Leitfaden der Anwendung nationaler Besonderheiten bei der archivischen Verzeichnung aber nicht im Wege. Der Standard ist jetzt für alle Formen und Formate von Unterlagen praxistauglich gemacht (Urkunden, Register, Karten, Filme, Sachdossiers, Serien und elektronische Dokumente) und kann auch im vorarchivischen Bereich (Dokumentenmanagement oder Schriftgutverwaltung) für die Erarbeitung der Metadaten als Referenzrahmen dienen.

Die Frage im Untertitel beantwortet die Autorin nicht explizit. Sie hat "neue" aber zwischen Anführungszeichen gesetzt. Neu ist der Standard tatsächlich nicht, es handelt sich um eine Weiterentwicklung der ersten Fassung (etwa nach empfohlenem fünfjährigem Revisionszyklus), stützend auf einer mehr als hundertjährigen wissenschaftlichen Archivtradition.