Finanzen und Infrastruktur


Reinhard Feldmann: Marketing für das alte und kostbare Buch. Workshop an der ULB Münster

Bibliotheksdienst. Organ der Bundesvereinigung deutscher Bibliotheksverbände (BDB), 33 (1999), Heft 9 (September), S. 1494 - 1500

Rezensent Peter Toebak

Nicht die technischen Aspekte der Einzelrestaurierung, der Massenentsäuerung oder des Papierspaltens standen diesmal im Mittelpunkt der Betrachtung. Die technischen Verfahren haben sich allmählich immer mehr bewährt. Es ging im Workshop primär um die Fragen der Vermarktung der Bestandserhaltung, damit für konkrete Projekte zusätzliches Geld gewonnen werden kann. Der Autor nennt im Artikel in diesem Zusammenhang Massnahmen wie „Öffentlichkeitsarbeit und Image-Verbesserung, Sensibilisierung der Öffentlichkeit und der Unterhaltsträger, Fundraising und Sponsoring, mögliche Imagekampagnen, Sinn und Zweck von Buchpatenschaften, Bibliotheksgesellschaften und Fördervereinen“ (1494).

Die öffentliche Hand trägt selbstverständlich weiterhin den Hauptanteil der Bestandserhaltung. Das Erwerben privater Gelder ist arbeits- und zeitintensiv (persönliche Betreuung, Farbkataloge der gefährdeten Objekte, Einsatz professioneller Werbagenturen), kann aber auch eine wichtige psychologische Wirkung haben. „Die Bibliotheken müssen sich verstärkt als kulturelle Institutionen begreifen, nicht nur als Informationsvermittlungsstellen. Eine Identifikation der Öffentlichkeit mit den Bibliotheken und den darin befindlichen historischen Sammlungen ist unerlässlich“ (1499).

Für Archive ist die Situation diesbezüglich nur z.T. anders gelagert. Die Geldmittel werden knapper, Benützungsgebühren sind unbeliebt und reichen auch kaum aus. Die Vorbereitung und Präsentation konkreter Projektvorhaben könnten eine gewisse Attraktivität ausstrahlen und tatsächlich Sensibilität auslösen. Projekte müssen letztendlich auf detaillierte Schadensanalysen („damage surveys“) basieren, welche pro Einstellung den Gesamtschadensbefund dokumentieren und die erforderlichen Mittel abschätzen. Gleichzeitig oder noch besser im Voraus soll die Bewertung der Bestände mit einbezogen werden. Welche Bestandskategorien müssen physisch erhalten bleiben, welche sollen (zudem oder lediglich) mikroverfilmt und digitalisiert werden und welche dürfen sogar vollständig kassiert werden? Auf diese Weise kommt eine Gesamtkonzeption des Archivs wirklich zum Tragen.

Für Archivare und Schriftgutverwalter ist Bewertung die wichtigste Aufgabe ihres Bestandsaufbaus geworden (80-90% der modernen Bestände sind kassierbar), weil sie den Zuwachs qualitativ und quantitativ anders nicht beeinflussen können. Bewertung wird für Bibliotheken dann sinnvoll, wenn ihre Sammlungen nicht oder nur noch ungenügend auf Unwesentliches überprüft sind. Mehr Abstimmung mit Kollegen in Bezug auf Bestandsaufbau könnte sich längerfristig durchaus auch als gewinnbringend erweisen.