Mittelgewinnung für bestimmte Zwecke im kulturhistorischen Non-Profit-Sektor ist mittels vieler Aktivitäten oder Programme erreichbar: Spenden, Legate, Sponsoring, Unterstützung durch Stiftungen, Mitgliedsbeiträge eines Fördervereins, Verkäufe und Versteigerungen sowie Veranstaltung von Events. Die öffentliche Hand wird selbstverständlich den grössten Teil der Kosten tragen bleiben müssen.
Das primäre Ziel des Fundraising beinhaltet das finanzielle Ergebnis. Sekundärziele sind aber ebenfalls anzustreben, damit der monetäre Erfolg umfangreich genug und nachhaltig ist. Es handelt sich hierbei um hohen Bekanntheitsgrad des Zwecks, Zufriedenheit der Förderer, Zufriedenheit der Mitarbeitenden und Positives Image in der Öffentlichkeit. Als Wirkungsmodell wurde von der Stadtbibliothek und dem Stadtarchiv in Trier das AIDA-Modell gewählt. Die Zielgruppen müssen über die Stufen A(ttention), I(nterest), D(esire) und A(ction) dazu gebracht werden, für die Unterstützung private Mitteln frei zu machen. Die Formel IMB (Information, Motivation und Betreuung) beweist dabei als Arbeitsmethode gute Dienste.
Die Stadtbibliothek und das Stadtarchiv Trier wollen so einen Teil des Gelds erwerben, um circa 46.000 historische Bände für etwa 20 Millionen DM über eine längere Zeitspanne zu restaurieren. Der betriebswirtschaftliche Ansatz des Projekts, inklusive Marketing und Psychologie des Fundraising, ist interessant und kommt aus dem Fachbereich Betriebswirtschaftlehre der Fachhochschule Trier und einer Beratungsfirma, die kleine und mittelständische Unternehmen betreut. Ein gewisses Spannungsfeld zwischen dem kulturhistorischen Denken der Bibliotheks- und ArchivmitarbeiterInnen und dem betriebswirtschaftlichen Denken der Berater war somit nicht zu vermeiden, nahm aber während des Verlaufs des Projekts allmählich ab.
Die bereits erzielten finanziellen Ergebnisse des Vorgehens bleiben unvermeldet, das neue Fundraising-Konzept beabsichtigt dafür eine langfristige Wirkung mit Hilfe eines Fördervereins.
Zur Ergänzung der hier behandelten Thematik, siehe "Aktion Not-Buch. Eine Buchpatenschaftsinitiative der Stadt- und Universitätsbibliothek und der Senckenbergischen Bibliothek Frankfurt am Main", in: Bibliotheksdienst. Organ der Bundesvereinigung deutscher Bibliotheksverbände (BDB), 36 (2002), Heft 4 (April), S. 488 - 491. Der Artikel setzt sich weniger mit wertvollen Unikaten als mit Rara auf Grund von Provenienz auseinander (z.B. Zugehörigkeit zu einer Gelehrtensammlung). Es handelt sich konkret um gefährdete Bücher aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert. Auch der Einsatz von Internet zur Sensibilisierung und Aufklärung des interessierten Publikums wird behandelt. "Bisher wurden 10.857,28 EUR gespendet, womit bereits 30 Bücher restauriert werden konnten" (490).