Mikroverfilmung und elektronische Archivierung


Karl Böhler: Supports analogiques et digitaux dans la pratique bibliothéconomique: systèmes, maintenance, durée de vie et archivage

Arbido, 13 (1998), Nr. 11 (November), S. 21 - 22

Der BBS (Verband der Bibliotheken und BibliothekarInnen der Schweiz) organisierte vom 2.-5. September 1998 seinen jährlichen Kongress. Verschiedene Workshops fanden statt. Derjenige über elektronische Überlieferung ("tradition électronique") hatte am Meisten Bedeutung auch für Archivare und Schriftgutverwalter. Vor allem der Beitrag von Karl Böhler, protokolliert und übersetzt auf französisch von Anouchka Offenstein, enthält einige interessante Bemerkungen.

Böhler (der ETH-Bibliothek in Zürich) hat konkretes Erfahrungswissen bezüglich der Verwaltung und Langzeitkonservierung moderner Medien: Disketten, CD-ROMs, Magnetbänder usw. Er hat die verschiedenen Informationsträger an der Zürcher ETH miteinander verglichen, was "leur capacité de stockage, leur fiabilité et leur durée de vie" betrifft. Nicht nur die Ziffern der Software-Hersteller werden genannt, sondern insbesondere auch die der ETH selber.

Einige Tatsachen: Die Qualität von CR-ROMs variiert so stark, dass mit einer Lebensdauerdifferenz von bis zu 1-20 Jahren zu rechnen ist; CD-Rs eignen sich nicht für langfristige Aufbewahrung, weil die Information ungenügend vor mechanischem Schaden geschützt wird; je kompakter die Daten gespeichert werden können, desto grösser die Gefahr des Informationsverlusts; allzu lange Videobänder scheinen nur billiger, denn sie brechen eher. Usw.

Dateinamen sollten nie länger als 8 (Name) und 3 (Extension) Positionen umfassen, weil andere Betriebssysteme als Windows nicht mehr Positionen lesen können. Diese Aussage ist zwar relativ, doch beinhaltet die Langzeitperspektive diesbezüglich Unsicherheit und Gefahr. Es sollte aber auch (so ist meine feste Überzeugung) aus anderen Gründen auf angebliches "Dokumentenmanagement" über eine Dateiverzeichnis-Struktur von Microsoft-Explorer u.ä. verzichtet werden. Eine personenunabhängige, organisationsweite, feingegliederte Basis-Systematik mit Hinweisen für die Bewertung und Verwaltung ist auf diese Weise längerfristig unmöglich erreichbar.

Neue kommerzielle Formate sollten nicht sofort angewendet werden, bestätigt Böhler. Die Frage, ob sie sich durchsetzen können oder ob sie wieder schnell verschwinden werden, bleibt fürs erste offen. Das Konvertieren von Texten wird weniger problematisch sein als das Konvertieren von andersartigen Dateien. Auch Bilddateien im richtigen Tiff-Format stellen übrigens (meiner Ansicht nach) immer weniger Probleme dar.