Die Autorin thematisiert den Interessenkonflikt zwischen Marktwirtschaft (Verlage, Verwertungsgesellschaften, Urheber) und Öffentlichkeit (Bibliotheken - worunter auch Archivbibliotheken - für Wissenschaft, Forschung, Lehre und Unterricht) aus Anlass der Veröffentlichung der EU-Richtlinie bezüglich des Urheberrechts und verwandter Schutzrechte am 22. Juni 2001 im Amtsblatt der Europäischen Union. Die Richtlinie wird momentan in nationalen Gesetzen umgesetzt und nachher im ganzen EU-Raum gelten.
Kostenlose Nutzung digitaler Informationsprodukte steht nicht zur Diskussion, sondern "eine Balance der Interessen" oder "ein erschwinglicher Zugang zur Information" (1153). Die Sichtweise der Bibliotheken: "Nicht eine Begrenzung der Ausnahmen, sondern eine Begrenzung der Zugriffsberechtigten ist die Lösung des Interessenkonflikts" (1154). Berechtigte Nutzer müssen per Bibliothekstyp bestimmt werden. Es geht dabei um einen "abgegrenzten Kreis von Angehörigen der Öffentlichkeit" (1159), um einen privilegierten Personenkreis aufgrund des Präsenz-, Territorial- und/oder Campusprinzips (vor Ort aufsuchen, wohnhaft sein im Einzugsgebiet, Kategoriezugehörigkeit). Sie können Ausnahmetatbestände beanspruchen, allenfalls gegen angemessene Vergütung, und von den so genannten gesetzlichen Lizenzen im Interesse der Allgemeinheit Vorteil ziehen, ohne aber dem Kaufinteresse grundsätzlich zu schädigen.
Beger listet folgende urheberrechtsrelevante Bibliothekshandlungen betreffend elektronische Informationsprodukte auf (1157):
Hier ist Regelungsbedarf und werden im Artikel Formulierungsvorschläge für die Gesetzesänderung in Deutschland (5. Urheberrechtsänderungsgesetz) gemacht.
Siehe auch Gabriele Beger, "DGI-Stellungnahme zur EU-Urheberrechtsrichtlinie", in: Nachrichten für Dokumentation (NfD). Information-Wissenschaft und Praxis, 52 (2001), Nr. 7 (Oktober/November), S. 413 - 416 (inklusive sogenannter "Pressespiegel-Ausnahme"); ferner Luzian Weisel und Christine Fisch, "Wert der Information: Ware oder öffentliches Gut. Hearing zur Umsetzung der Urheberrechtsrichtlinie der EU in das Urheberrechtsgesetz", in: Nachrichten für Dokumentation (NfD). Information-Wissenschaft und Praxis, 53 (2002), Nr. 2 (März), S. 102 - 104 (sehr nuanciert).